Volkswirtschaftlich richtig, in der Realität falsch.
Daß kein Handel bei den genannten Medikamenten zustande kommt,
ist ein eiskaltest Beispiel dafür, daß in diesem Fall die VWL
die Realität ganz besonders gut abbildet. siehe unten
Sorry, war ein Missverständnis. Es ging mir weniger um eine Kritik an der VWL sondern an den Begriffen. Natürlich bildet VWL - vor allem wenn man Modell ausserhalb des Grundstudiums nimmt - dies gut ab.
Es ging mir mehr um die Begriffe Angebot und Nachfrage. Häufig wird Nachfrage - jetzt nicht in der VWL sondern allgemein - mit Bedürfnis gleichgesetzt: wer sich etwas kaufen will, bietet dafür. Wenn er nicht mehr bieten kann, war einfach das Bedürfnis des anderen größer. Das ist natürlich Unsinn (jedenfalls wenn man unterstellt, dass ein Multimillionär nicht per se höhere Bedürfnisse als ein Sozialhilfeempfänger hat).
Daher meine Kritik an Deinen Gebrauch der Nachfrage hier:
„Der Witz ist doch, daß Angebot und Nachfrage die Angelegenheit regeln. Wenn es nicht genug zu futtern gibt, lohnt sich der Anbau von Lebensmitteln wieder bzw. die Investition in Landwirtschaftsmaschinen.“
Wenn es Leute gibt (weniger in Deutschland, aber weltweit), die verhungern, aber nicht zahlen können für ihre Nahrung, existiert ein Bedürfnis, aber keine Nachfrage. Angebot und Nachfrage regeln also nichts (es werden nicht mehr Lebensmittel angebaut) in diesem Fall. Das tun sie nur, wenn Leute Hunger und Geld haben.
Das kannst Du Marktversagen nennen (obwohl in der VWL ja eher andere Fälle darunter gefasst werden).
Nur: Dein Satz klang so, als würden Angebot und Nachfrage stets zu einem optimalen Ausgleich und eine gute Reaktion der Marktteilnehmer führen. Das ist aber eben nicht der Fall, wenn dem Nachfrager für den Ausdruck seiner Nachfrage das Geld fehlt.
Wenn die Nachfragekurve nahe 0
parallel zur x-Achse verläuft gibt es halt kein oder nur wenig
Angebot.
Ja, richtig natürlich. Nur wird in der VWL oft nicht beachtet, WARUM die Kurve nahe 0 verläuft (der Satz, dass in Äthopien z.B. die Nachfrage nach Nahrung nahe 0 ist, ist entweder zynisch, oder nur zu rechtfertigen, wenn man weiss, dass Nachfrage von Menge UND PREIS abhängig ist - und wo Preis=0, den die Nachfrager leisten können, ist natürlich auch die Nachfrage=0. Rein mathematisch). Und vor allem Marktideologen (ich meine damit nicht Dich) beachten diesen Zusammenhang nicht.
Dein Beispiel ist ein Fall von Marktversagen, wenn man den
Begriff ein wenig dehnt. Insofern wäre hier ein staatlicher
Eingriff gerechtfertigt, der bei anderen Medikamenten auch
durchaus stattfindet (siehe HIV-Medikamente in Südafrika).
Dort durch durch Preisobegrenzen die Angebotskurve gekippt.
Dem Modell hier Versagen vorzuwerfen ist also Unfug, genau
dieser Fall wird dort perfekt abgebildet.
Kann man so sehen. Wie gesagt: mir ging es weniger um eine Kritik an der VWL als daran, wie diese Begriffe „Angebot und Nachfrage“ häufig ideologisch benutzt werden, ohne genau zu wissen, was da hinter steht.