Pöbeln mit den Besten
Hallo,
jetzt mal abgesehen davon, dass man mit spaßig-anarchischen Verhaltensweisen wie Radfahren in der Fußgängerzone oder Proll-Fußablage auf dem Sitz ja doch irgendwie solche Anmache herausfordert, habe ich vor allem als Hundebesitzer schon reichlich ähnliche Erlebnisse gehabt. Ich war sogar schon selbst am anderen Ende und habe mich selbst beim Pöbeln erwischt. Muss das Alter sein.
Situation 1: ich fahre mit meinem uralten Hund Fahrrad, u.a. ein Stück auf dem Bürgersteig entlang, weil Hundi für die Straße nicht mehr taugt. Eine Familie offensichtlich auf dem Weg zum Erntedankgottesdienst kommt mir entgegen. Ich halte an, mache freundlich Platz und halte meinen Hund eng bei mir. Trotzdem lautes Gepöbel, was ich denn mit der Töle und dem Fahrrad auf dem Bürgersteig und überhaupt, unverschämt …
Meine Reaktion: (säuselnd) „Auch ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntagmorgen. Der Herr liebt Rücksichtnahme und Toleranz! Vergelts Gott!“
Situation 2: Ich fahre wieder mit dem alten Hund, diesmal korrekt auf der Straße. Ein Anwohner hat mehrere kleine Hunde im Garten. Diese kläffen aufgeregt, als ich vorbeifahre. Schimpftirade des Anwohners, ich solle mich mit meinem Köter verpissen usw. Zitat: „Fahren Sie doch da lang wo Sie wohnen!“
Meine Reaktion: „Ich wohne hier (zeige auf das Haus hinter mir, in dem ich seit 6 Jahren wohne).“
Situation 3: Ich schaue aus dem Dachfenster auf die Straße. Dort geht ein junger Mann entlang, der ein Magazin oder einen Prospekt durchblättert. Er reisst dabei immer wieder Seiten ab und lässt sie einfach fallen.
Meine Reaktion: „Hallo junger Mann! Sind Sie zu dumm, einen Mülleimer zu bedienen? Die Bildungsprobleme in Deutschland sind noch übler, als ich bisher ahnte!“
Situation 4: Ich wieder mit dem Hund unterwegs. In einem Gebüsch am Wegesrand erleichtern sich gerade mehrere Herren vom örtlichen Schützenverein, in Spuckweite der Herrentoilette des Sportstadions.
Meine Reaktion: „Aha, schon zu betrunken um 10m weiter zu gehen? Ob man da noch schießen sollte?“
Die Schützen sind angepisst (harhar), der eine sagt: „Ihr Hund macht doch auch ins Gebüsch!“
Ich: „Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund!“
Je nach Situation versuche ich zu überlegen, wer denn nun im Recht ist. Mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig bin ich meist sehr defensiv, denn ich bin im Unrecht und muss die Konsequenzen hinnehmen. Nur in Extremfällen reagiere ich da frech, siehe oben. Bei sinnlosem Rumgepöbel, vor allem von drängelnden Rentnern an Supermarktkassen, lasse ich die alten Herrschaften gerne vor mit der Bemerkung „Gehen Sie ruhig vor, Sie haben ja nicht mehr so viel Zeit!“. Drängelnde Jüngere lasse ich ebenfalls betont freundlich vor mit dem Kommentar „Ich habe Zeit, bin ja nicht auf der Flucht.“ Das fehlt mir noch, dass mir so ein Prolet 5 mal mit dem Einkaufswagen in die Hacken fährt.
Lange Rede, kurzer Sinn: wer gegen Regeln verstößt, muss das Echo vertragen können. Die meisten Regeln sind komischerweise mit Berechtigung da, was man spätestens dann einsieht, wenn man einmal am anderen Ende der Situation ist (vom Fahrrad in der Fußgängerzone fast gerammt, mit schmutziger Hose im Zug …). Du hast das Recht gegen solche Vorschriften zu verstoßen, andere haben aber auch das Recht, Dich auf diesen Verstoß hinzuweisen - wir sind ja hier nicht in Nordkorea.
Gruß,
Myriam