Hallo Stefan,
glaubst Du wirklich, dass ein Elternteil der sein Kind alle paar Wochen für ein paar wenige Stunden sieht, sein Kleinkind so beeinflussen kann, dass es sowas über die Mutter sagt (vor allen Dingen wenn es nicht stimmt)? Dass sich so ein kleines Kind durch Fangfragen nicht widersprechen bzw. verplappern würde? Wer hat denn in diesem Fall alle Zeit der Welt, etwas zu „manipulieren“?
Kleinkinder fühlen recht gut wo es ihnen gut geht, wo es ihnen gefällt, wo sie sich geborgen und geliebt fühlen.
Geborgenheit fehlt auf jeden Fall dem Kind, wenn die Mutter ständig neue Bezugspersonen dem Kind präsentiert. Möglich (ist aber reine Spekulation) wäre auch, dass die Mutter beim „Neuverlieben“ dem Kind weniger Aufmerksamkeit und Zuwendung schenkt.
Ich habe drei Enkelkinder. Die mittlere ist jetzt drei Jahre alt. Obwohl sie liebevoll und fürsorglich von ihren Eltern betreut wird, hat sie eine starke Bindung an mich, ist auch häufig bei mir (obwohl wir 200 km auseinander wohnen). Aber komischerweise hängt sie noch mehr an meinem Mann, der sogar nur ihr Stiefopa ist und der, wenn sie bei uns ist, meist bedingt durch seine Berufstätigkeit durch Abwesenheit glänzen muss.
Ich liebe die Kleine genauso wir ihre beiden Geschwister, aber für meinen Mann ist die mittlere sein besonderer Augapfel. Er zeigt das nicht und behandelt alle drei Kinder gleich. Trotzdem spürt das die Maus und ich bin abgeschrieben, wenn der Opa von der Arbeit kommt. Gut ich bin nicht die böse Oma, weil ich keinen Anlass biete, böse zu sein (auch wenn ich nicht immer die gewünschte Schokolade aushändige).
Sie spürt die besondere Zuneigung des Opas für sie. Die anderen Beiden hängen auch an ihm, aber sie sind mehr auf mich fixiert. Zur Erklärung: die Kinder sind, wenn wir in Deutschland sind, häufig bei uns, nicht selten auch ohne die Eltern.
Es ist nicht selten, dass Mütter ihre Kinder bei einer Trennung vom Kindesvater als „Waffe“ benutzen. Manchmal machen sie es, weil sie wissen, dass der Expartner an seinem Kind hängt und sie ihn damit treffen, wenn sie ihm das Kind vorenthalten. Manchmal machen sie alles absichtlich und manchmal auch unbewusst.
Manchmal machen sie es, weil sie einen neuen Partner haben, den sie als besseren Vater ansehen und dann den „alten“ entsorgen wollen.
Manchmal machen sie es, wenn der Kindesvater eine neue Beziehung hat. Manchmal aus Angst, dass die „Zweitfrau“ sich als bessere Mutter installieren könnte und manchmal weil sie der „Zweitfamilie“ das Glück nicht gönnt dort „Sand ins Getriebe streuen will“ oder weil sie eifersüchtig ist, weil das Kind von der Neuen freundlich spricht.
Das sind nur einige Gründe - genauere Ausführungen würden ein Buch werden.
Wenn der Vater also den Wochenumgangstermin nicht wahrnehmen kann, passt ihr das u. U. aus einen der obigen Gründe in den Kram. Wäre es nicht so, würde sie dem Kind und dem Vater einen Ausweichtermin anbieten - z. B. den Wochenendumgang um die fehlenden Stunden vom ausgefallenen Umgang erhöhen.
Sie bekommt Unterhalt vom Vater für das Kind. Der muss diesen Unterhalt durch seine Berufstätigkeit erarbeiten, trotzdem nimmt sie keine Rücksicht darauf und ändert den Umgang so ab, dass er ihn auch wahrnehmen kann. Zeigt wenig Gefühl für das Kind, weil wer nimmt einem Kind schon etwas weg oder reduziert es, was das Kind liebt und/oder braucht? Würdest Du Deinem Kind den geliebten Teddybären wegnehmen oder die Schmusestunden mit dem Teddy willkürlich reduzieren? Nein sicher nicht - sie aber reduziert nicht nur ein austauschbares Stofftier, sondern den einzigen richtigen Papa den das Kind hat und liebt und von dem es auch geliebt wird. Die Kleine fühlt sich vielleicht auch deswegen von der Mutter nicht geliebt.
Aber hier stutze ich gewaltig. Ist es in Deinen Augen nicht
ausgesprochen ungewöhnlich, daß ein dreijähriges Kind aus
freien Stücken äußern soll „Mama ist böse“? Ist es nach Deiner
Erfahrung wirklich so, daß ein so kleines Kind aufgrund eines
unsteten Beziehungslebens eines Elternteils sich gegen das
Heimgehen wehrt?
Bei mir war im Satz noch ein „AUCH“. Es ist sicher nicht das einzige Anzeichen, sondern AUCH ein Anzeichen und es gibt bestimmt noch mehr Gründe.
Gruß
Ingrid