Hallo,
ja natürlich.
Für mich ist der ganze Förderalismus ein Rudiment der
deutschen Kleinstaaterei und reif für die Abfalltonne. Die
ganze welt lacht sich da scheckig drüber.
Du würdest vermutlich wundern, wie weit die Subsidiarität in anderen Staaten getrieben wird, z.B. in Frankreich (eigentlich klassischer Zentralstaat), Spanien, Großbritannien oder den USA.
Mal im Ernst:
Die derzeitige Debatte um die Förderalismusreform zeigt doch
den ganzen Widersinn. Es gibt praktisch kein einziges Gebiet,
in dem eine reine Länderzuständigkeit sinnvoll und zweckmäßig
wäre.
Ich sehe tatsächlich sogar mehr Gebiete, als heute schon exisitieren (s. dazu auch meinen Artikel an Levay weiter unten).
Die Bundesrepublik braucht schlichtweg einheitliche Standarts
- auch z.B. bei der Bildung.
Gerade das sehe ich völlig anders.
Schon allein deshalbh, weil nur
so die Menschen mit schulpflichtigen kindern die nötige
Felixibilität haben, notfalls auch Arbeitsstellen in anderen
Bundesländern aufnehmen und dazu umziehen zu können. Ganz
abgesehen davon hätte es auch die Wirtschaft ganz gerne, wenn
sie davon ausgehen könnte, daß ein realschulabgänger aus
Sachsen über etwa das gleiche Wissen verfügt wie einer aus
Bremen.
Ich vertrete hier ganz klar den Gedanken der Konkurrenz der Länder. Wer höhere Standards bei der Bildung setzt, erreicht u.U. eine verstärkte Ansiedlung der Unternehmen (auch heute schon erkennbar). Dies hätte zur Folge, daß sich auch (werdende) Eltern dorthin ebenso orientieren wie Arbeitnehmer, die dort größere berufliche Chancen erwarten können. Ähnliches gilt für Infrastruktur, Steuerwesen, Kultur, Sport usw.
Aber bei vielen Dingen ist der Förderalismus einfach ein
hemmnis. Schau Dir doch die Elbe an! Sachsen macht5 dies,
Sachsen Anhalt macht das, Brabndenburg macht jenes - und am
Ende säuft Hitzacker in Niedersachsen ab, weil nichts
zusammenpaßt, weil da 4 Ministerien in 4 Ländern alle ihren
eigenen Brei kochen.
Eigentlich liegt das daran, daß einerseits die Einwohner von Hiztacker selbst Hochwasserschutzwände verhindert haben und andererseits die elbaufwärts liegenden Länder eher an sich als an die nachfolgenden Bereiche gedacht haben.
So und nicht anders ist doch die Lage. Da
steht dann im letzten Zipfel von Thüringen ein Flugplatz
Altenburg, der dem im sächsischen Leipzig Konkurrenz macht und
die Autobahn A 38 wird nicht fertig, weil in Thüringen schon
Baurecht besteht und in Hessen nicht.
In Hessen gibt es kein Baurecht?
So dicke hat
es deutschland einfach nicht mehr, um so viele Wasserköpfe
durchzufüttern.
Da würde ich aber eher orts- und realitätsferne Bereiche in Berlin zurechtschneiden wollen, als diejenigen, die vor Ort wissen, was angemessen, notwendig und sinnvoll ist. Aus dem Grunde haben wir ja gerade die verschiedenen Verwaltungsebenen, weil eben niemand in Berlin sachgerecht beurteilen kann, was in Düsseldorf, Radevormwald oder Jena an Baumaßnahmen, Kultureinrichtungen und Investitionen in Schulen notwendig ist.
Gruß,
Christian

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