hi omar,
ich schrieb nichts von eintägigen klassenfahrten.
klar, es läuft dabei aber aufs gleiche hinaus.
ja, es geht in die gleiche richtung!
Ich
prangere an, dass diesen Klassenfahrten sehr viel mehr
Aufmerksamkeit gewidmet wird als dem Unterricht.
wo wird das gemacht?
Versuch mal einer Klassenfahrt aus dem Weg zu gehen oder im Gegenzug einfach eine Mathestunde zu schwänzen… Aber eigentlich habe ich die Diskussion gemeint.
Soziale Integration kann ein Kind auch ausserhalb der Schule
erlernen und genau da würde ich die Eltern in die Pflicht
nehmen. Jeder darf da anders vorgehen und seine eigenen
Prioritäten setzen, allerdings sollte die Erziehung der Kinder
den Eltern angelastet werden. Zum einen sind sie zwangsläufig
dazu verpflichtet, zum anderen sind Lehrer zunehmend mit den
Schülern überlastet (zu grosse Klassen …).
die elterliche erziehungspflicht ist sehr wichtig, aber in
einem anderen bereich anzusiedeln, als die schulpflicht. in
der familie lernt das kind familienverhalten, welches oftmals
fundamental verschieden ist vom gruppenverhalten (eben ohne
elterliche moralaufsicht). schule kann das elternhaus nicht
ersetzen, ebenfalls können die eltern niemals die schule
ersetzen, da es einfach zwei verschiedene dinge sind.
Gebe ich gerne zu. Auf der anderen Seite muss die Schule offensichtlich das Vertrauen der Eltern gewinnen. Das tut sie in den meisten Fällen. Ich gebe einfach einmal ein Beispiel, damit wir nicht zu theoretisch reden:
Meine kleine Schwester war in einem „kirchlichen“ Kindergarten als sie klein war. Mit kirchlich meine ich, dass der Kindergarten einer Kirche angehängt war. Der Gedanke dahinter war, dass zumindest die Werte ähnlich sind. Meine Mutter hatte ein klärendes Gespräch mit der Betreuerin, in dem sie erwähnte, dass meine Schwester kein Schweinefleisch essen darf. Ausserdem soll die Betreuerin doch bitte meine Mutter anrufen, wenn ein Ausflug geplant war (wir wohnten 200m vom Kindergarten entfernt). Das mit dem Schweinefleisch wurde halbwegs eingehalten - zumindest glauben wir das - aber eines Tages holt meine Mutter meine Schwester ab und sie erzählt ihr, sie wären am See gewesen und alle hätten sich ausgezogen und die Betreuerin hätte ihr gesagt, sie solle sich auch ausziehen. Ihr war es scheinbar peinlich, sich nicht auszuziehen, was ihr noch merklich anlastete. Kurz danach hat sie meine Mutter abgemeldet. Das geht in einem Kindergarten, aber nicht in der Schule. Wenn also die Lehrer nicht einsehen können, dass man die Grenzen des Anstands woanders setzen möchte, dann finde ich das zum Einen überheblich, auf der anderen Seite ist dann nicht möglich, von den Eltern zu verlangen, sie sollen ihre Kinder den Lehrern überlassen.
Das ist nur ein Beispiel. In letzter Zeit erreichen uns im Verein Beispiele von selbsternannten Rettern, die kopftuchtragende Mädchen zum Ausziehen des Kopftuchs bewegen möchten. Das ist meines Erachtens nicht Aufgabe der Lehrer. Ich glaube schon, dass mit genügend Vertrauen zwischen Lehrer und Eltern auch Klassenfahrten möglich - und notwendig genug - sind, aber den Eltern muss immer noch die Entscheidungsmacht gegeben werden, denn sie alleine tragen die Verantwortung für die Kinder.
Ideal wäre in meinen Augen, wenn Eltern mehr Mitspracherechte
in der Schule erhalten würden. Dann würden beispielsweise
Familienausflüge der Klassen stattfinden und dann (erst dann)
können wir von Integration sprechen!
das ist ein netter gedanke und wäre sicher lohneswert ihn
umzusetzen. parallel zu den klassenfahrten ohne eltern! ich
finde es für kinder eine wichtige erfahrung ohne eltern und
deren moralautoriät wegzufahren, um sich selbst und sein
verhalten kennenzulernen.
Durch wen sonst sollen Kinder Moral beigebracht bekommen, wenn nicht von den Eltern? Alles andere habe ich persönlich kein Problem unter den obigen Voraussetzungen. Deshalb sind Familienausflüge nur der Anfang.
Was aber passiert ist,
dass Migrantenkinder - wenn sie auf Klassenfahrt mitfahren -
gezwungen werden sich anzupassen ohne Rücksicht auf ihr
Anderssein! Das führt dazu, dass diese Kinder mit zwei
Gesichtern aufwachsen - eines, das sie zuhause führen und ein
anderes, was sie in der Schule zur Schau stellen. Das kann
nicht im Interesse einer erfolgreichen Integration sein…
kinder verhalten sich immer anders, wenn ihre eltern nicht da
sind. und genau das ist eine wichtige erfahrung, welche bei
erfolgreicher erziehung zu selbständigkeit, eigenständigem
denken und handeln führt.
Zunächst einmal will ich das Andersverhalten der Kinder ohne ihre Eltern nicht als Normalität stehen lassen. Ich möchte nämlich nicht, dass mein Kind mit zwei Gesichtern aufwächst. Auf der anderen Seite kann so niemand sicher sein, ob das Kind mit einem aufrichtig ist. Zudem kann ja auch ein Elternteil (dem diese vertrauen) stellvertretend für mehrere Eltern mitfahren.
ich verstehe deine bedenken schon. wie auch immer, jedes kind
sollte die chance haben, anderes und va die gesellschaft,
welche die eltern freiwillig als lebensumwelt ausgesucht haben
(!!) kennen zu lernen um dann selbst zu entscheiden, welchen
weg es gehen will.
Es sind keine zwei verschiedenen Wege - zumindest sollten es keine sein. Das Kind wird aber solange zwei Welten leben, bis es in der Lage ist, dass es zwischen den beiden erfolgreich vermitteln muss. Und das ist nur der Fall, wenn beide Welten miteinander verschwimmen. Im Falle von muslimischen Kindern gilt es, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Islam selbstbewusst zu leben, ohne dabei die Freundschaften zu verlieren, die sie etwa mit Nichtmuslimen pflegen.
Gruss, Omar Abo-Namous