Hi kritisch wahrheitssuchender Fragesteller (*roftl*),
wenn man hier gut drei Jahre mitliest und schreibt vergeht einem halt irgendwann die Lust, bestimmte Nazi-Thesen wieder und immer wieder mit Detailinformationen zu entkräften. Durch ewiges Wiederholen wird’s ja nicht wahrer, was ihr schreibt:smile:. Und ich muss mir dreimal überlegen, ob ich überhaupt mit jemand reden will, der von „Wirtsländern“ spricht, damit implizit Juden als „Parasiten“ betrachtet und damit in die übelste antisemitische Kiste greift.
Zu ersten Verfolgungen kam es übrigens bereits 1096, im Zuge des ersten Kreuzzugs. Nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, sie der Ketzer liegt so nah, haben sich viele marodierende Truppen auf die Juden in den Städten gestürzt.
In der Spätantike und frühmittelalterlichen Kirche, in der Frühzeit des Judentums im damaligen Reich, lebten sie größtenteils frei von Anfechtungen. Die ersten Anfechtungen sind klar aus der kirchlichen Missionspolemik abzuleiten: z.B. die Tiraden des Agobard von Lyon im 9. Jahrhundert wie auch ein mit Austreibung gekoppelter Versuch der Zwangstaufe aus Mainz um 937.
Dramatisch wude es erst im Zuge der Kreuzzugsprogrome, die du sicher nicht ohne Grund unter den Tisch fallen gelassen hast. Pekuniäre Motive spielten keine Rolle, vielmehr"… ist sich die neuere Forschung einig, dass die Antriebe in den tiefgehenden religiösen Veränderungen der christlichen Gesellschaft zu suchen sind, die mit den Stichorten eucharistische Frömmigkeit, Armutsbewegung, kirchenreform, Endzeiterwartung umschrieben werden können, sich im Laufe des 11. jahrhunderts entwickelten und in der Kreuzzugsbewegung gipfelten" ( Michael Toch, Die Juden im Mittelalterlichen Reich, S. 112)
1146/47 dito. Immerhin haben ab und an die Kaiser „ihre Juden“ auch geschützt(z.B. Friedrich I)
Im 12./13. Jahrhundert bekommt der Judenhass eine neue Qualität, typische Anschuldigung waren „Ritualmord“ und „Hostienschändung“. "Die in verschiedenem Ausmaß methodisch der Mentalitätsgeschichte verpflichtete moderne Forschung ist sich in der grundsätzlichen Feststellung einig, dass die Beschuldigungen eine Projektions- oder Sündenbockfunktion einnahmen: die Unsicherheit und Ambivalenz in zentralen Fragen des christlichen Glaubens (Märtyrer- Heiligen-, Reliqienverehrung, Wunderglaube, Transubstantation) wurde auf die einig bestehende nicht christliche Gruppe projiziert und mit der Opferung der angeblich Schuldigen in ritualisiersten, dem Blutaberglauben entnommen Formen exorziert. " (Toch, 113) Verbreitungsmittel des Glaubens an Ritualmord und Hostienfrevel ist die Predigt und Exemplenerzählung, besonders durch die Medikanten.
Erst seit dem ausgehenden 13 Jahrhundert wurden die blutigen Verfolgungen fester Bestandteil des christlich-jüdischen Verhältnisss, was auch dazu führte, dass die meisten überlebenden Juden im Laufe des 14. jahrhunderts nach Osteuropa auswanderten. Vor allem die Pestwellen taten Mitte des 14. Jahrhunderts das ihre, in Deutschland kamen stadtinterne Putsche gegen Patriziat und Zunftregierungen hinzu (in Straßburg, Nürnberg z.B.).
Frankreich
In Frankreich kam es früher zur Vertreibung. Ein Zitat "Juden waren z.B. 1306 in Frankreich nicht beliebter oder verhaßter, ärmer oder reicher als in anderen Teilen Europas, aber der französische König brauchte Geld und suchte außerdem eine Gelegenheit, seine Prärogative reichsweit zur Geltung zu bringen; die Juden waren ein in seinen Augen dankbares Opfer für beide Zwecke[7]. Er hätte sich auch andere Opfer wählen können - und in den Tempelrittern z.B. fand er fast gleichzeitig auch noch andere -, aber sein und seiner Berater Blick war eben zunächst einmal auf die Juden seines Reiches gefallen und so wurden sie seine ersten Opfer, wanderte ihr Vermögen in seine Kassen. Für seine Handlungsweise lassen sich plausible Gründe finden, aber keiner läßt das Schicksal der Juden Frankreichs als geschichtlich zwingend notwendig erscheinen. So sind auch Juden später in Frankreich wieder zu finden, freilich in nur noch ganz unerheblicher Zahl. (Erst mit dem Zugriff Frankreichs auf Reichsgebiet wie die Länder links der Rhone und zuletzt das Elsaß und Lothringen sollte sich das ändern.) "
aus: http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Pats…
Hier findest auch noch nochmal sehr gut aufgeführt, was es mit den mittelalterlicen Judenverfolgungen auf sich hat - plus reichlich Quellen und Literatur, die du dir als nächstes zu Gemüte führen solltest. Aber nachdem du nichtmal bereit ist, die von mir genannten Archivthreads durchzulesen, in denen du eigentlich jede deiner Fragen beantwortet bekommst (zugegebenermaßen sicher nicht so, wie du das gerne hättest:wink:),
Deine Fragen zu Definition „Was ist ein Jude“ werden dir dort genauso beantwortet - und sehr kompetent, wie weitere Fragen zu Ursachen der Judenverfolgungen. Fragen zur Bibel sollest du vielleicht besser im passenden Brett stellen.
barbara
