Hallo datafox,
Der Mensch fällt die meisten Entscheidungen(!) in seinem Leben
nicht durch Nachdenken, sondern durch ein Verhalten, welches
durch die von Bourdieu so schön als Habitus bezeichnete
unterbewusste und teilweise unbewusste klassenbezogene
Identität geleitet wird.
auch ein ladendieb? ist er nun *verantwortlich* für sein tun
oder nicht? das ist nämlich der praktische punkt - an diesem
hänge ich den unterschied zum tier nämlich auf.
Die Tatsache, daß ein Mensch innerhalb seiner Vorstellungen und nach seinen Gewohnheiten handelt (also seinem klassenbezogenen Habitus folgt) entbindet ihn nicht von der Verantwortlichkeit vor dem Gesetz, wenn er dagegen verstösst. Jedoch kann ihn trotzdem die gemeinsame Weltansicht mit Menschen, die den gleichen Habitus leben, zumindest innerhalb dieser Gruppe/Schicht/Klasse legitimieren.
Das heißt für mich nichts
anderes als Denken, wenn vielleicht auch auf eine gänzlich
andere Art und Weise
das streite ich auch nicht ab. daß es sowas wie eine sprache
unter bestimmten arten gibt, zb. wale, (von der wir noch dazu
null ahnung haben), ist bekannt. dennoch führt diese fähigkeit
nicht zur ausbildung abstrakter denkleistungen.
Was ist denn eine „abstrakte Denkleistung“?
Da wir Tiere nicht verstehen können, ist es schwer ihr Denkvermögen mit Hilfe des unsrigen einschätzen zu können. Wie ich schon sagte, ist es bezeichnend für den menschlichen Verstand, daß er eher gewillt ist einem selbstkreierten Produkt (z.B. einem künstlichen intelligenten neuraligischen System in einem Roboter) Intelligenz und ergo auch Menschlichkeit zuzusprechen, als den Primaten (im Übrigen ist das überhaupt nicht der Punkt auf den ich hinaus will).
deshalb präzisiere ich: es ist ein des sozialen verhalten, das
hier relevant ist. nennen wir es das aufstellen von abstrakten
regelwerken oder moral. in höheren gesellschaften werden diese
dann verschriftlicht = gesetzgebung. diese anweisungen und
tabus, also alles was man tun darf, soll oder nicht darf, sind
einzigartig für den menschen.
Es gibt Rechte und Pflichten der
Individuen in diesen Gruppen, es gibt Verantwortung, ebenso
wie Regelungen, die das Zusammensein betreffen.
dieses ist für mich eine projektion menschlicher begriffe auf
das tierreich 
Schön gekontert
Allerdings gibt es kaum eine Methode mit der man eventuell vorhandene Begriffe im Gehirn eines Tieres für Menschen erschliessen kann (das kann man selbst bei anderen Menschen nur sehr bedingt), also ist man auf Beobachtung und Beschreibung von Aussen angewiesen. Und um das Beobachtete unter Menschen kommunzierbar zu machen muss man Begriffe verwenden, welche von Menschen verstanden werden. Allerdings ist es unumgänglich über die Begriffe zu reflektieren … und genau das ist es, über was ich spreche, wenn wir über die Trennlinie zwischen Mensch und Tier verhandeln.
Also fasse ich zusammen: Der Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt Deiner Meinung nach in der Frage verborgen, ob ein abstraktes Denkvermögen und überlieferbare moralische / soziale Regelwerke vorhanden sind.
Diese
Regelungen sind vielleicht am ehesten vergleichbar mit
überlieferter Gesetzestradition, die nicht festgeschrieben,
nicht explizit im Raum stehen und trotzdem wissen alle
Beteiligten, dass es sie gibt.
hier widerspreche ich: sie wissen es eben nicht, sondern
folgen einfach ihrem „programm“. wie ein computer, der genau
das ausführt, was der programmierer ihm vorgegeben hat.
Interessante Metapher. Allerdings müsste man dem Programm eine Lernfähigkeit; eine offene Kommunikationsschnittstelle zur Kommunikation mit anderen, ähnlichen Programmen; eine Interpretationsfähigkeit; einen ausgefeilten Selbsterhaltungstrieb und eine dynamische Problemlösungsfähigkeit zugestehen. Das Programm könnte demnach Tiere UND Menschen betreiben.
Weiter führst Du an, dass Kultur dann entsteht, wenn die
Fähigkeit errungen wird, die Umwelt für immer zu verändern.
damit meinte ich den bruch mit der evolution und sozusagen
ihre umkehrung. mit dem menschen endet die evolution abrupt.
er paßt sich nicht mehr an die umwelt an, sondern er paßt die
umwelt an sich an. genetische kriterien bei der fortpflanzung
fallen weg. nicht mehr der körperlich fitteste pflanzt sich
fort, sondern der sozial fitteste, zumindest innerhalb einer
bestimmten gesellschaft. (global betrachtet ist es eher
umgekehrt: je niedriger der status desto mehr kinder im
durchschnitt.)
Balzrituale sind sehr, sehr oft wesentlich komplizierter, als reiner genetischer Wettstreit - sie bestehen nämlich zu einem nicht geringen Teil aus sozialem Handeln. Ich glaube kaum, daß wir der Evolution ein Schippchen geschlagen haben, nur werden wir uns mehr an die von uns selbst geschaffene Umwelt anpassen.
Ameisen, die wir
für gewöhnlich als äußerst Dumm halten
eine einzige ist wahrscheinlich ziemlich dumm, auch wenn ihre
rechenleistung stärker ist als der tollste computer. aber in
der masse sind ameisen sogar „intelligent“.
züchten Pilzkulturen,
von denen sie sich ernähren können in ihren Bauten, andere
Ameisen melken gezielt und Fachmännisch Blattläuse. Nicht nur
Affen, sondern auch Vögel benutzen Dorne, um Insekten aus
Ecken heraus zu gabeln.
ob das „erfindungen“ sind? 
Sicher sind das ErFINDUNGEN. Der einsame, gelehrte Mensch, der mit einem Heureka-Ausruf seine unglaublich neu- und einzigartige Erfindung kundtut, halte ich für ein Ammenmärchen. Alle Erfinder hatten hunderte, wenn nicht tausende Vorläufer, welche ihm den Weg geebnet haben. Jene, die uns überliefert sind, haben lediglich am schnellsten ihr Patent angemeldet. Erfindungen und vor allem ihre massenhafte Verbreitung sind Prozesse einer gesamten Gesellschaft.
Auch wenn ich zu bedenken gab, dass der Mensch zu einem
weitaus größeren Teil aus seinen „Instinkten“ heraus handelt,
als es die Ideologie des freien Willens vorschreibt.
die meinung ist dir unbenommen. beleg? 
Ein Beispiel im ersten Posting war der „Herdentrieb“ in Alltagssituationen, ein anderes handelte vom Fluchtverhalten in Gefahrensituationen.
Die theoretische Unterfütterung liefert dafür vielleicht Bourdieu, auch wenn er nicht von „Instinkten“ spricht, aber von Verhaltensweisen, die wir zwar wahrnehmen, aber die uns nicht bewusst sind.
Aber ist das nicht sehr ärmlich, wenn der Mensch nur einem von
ihm geschaffenen Produkt Menschlichkeit zuspricht?.
welches produkt meinst du? "mensch"lichkeit kommt eben nur
menschen zu.
Ich nahm Bezug auf Deine Meinung, daß man menschliche Rechte und Pflichten in Zukunft eventuell auf Wesen künstlicher Intelligenz ausdehnen müsste.
Tiere werden aber durchaus für ihre Vergehen bestraft. Hunde
zum Beispiel, die ernsthafte Verletzungen bei Fremden
verursachen können gerichtlich eingeschläfert werden
LOL nicht im ernst? das ist doch keine strafe! hier wird
einfach eine gemeingefährliche sache (tiere sind rechtlich
sachen) unschädlich gemacht, ähnlich dem entschärfen einer
bombe.
Sicherlich, aber für sie bedeutet die Konsequenz ihres Handeln den Tod.
ich lebe gut damit 
und warum? weil jede andere alternative in widersprüche führt.
wenn man tiere nicht mehr essen darf, warum dann pflanzen?
Immerhin: in der Konsequenz unseres Denkens kommen wir zu den gleichen Aussagen. Verstehe mich nicht falsch, ich bin kein ausgesprochener Tierfreund, noch sehne ich mich nach der Entdeckung einer anderen beweisbaren Intelligenz auf Erden oder im All. Noch bin ich der Meinung, daß man Tieren Menschlichkeit zusprechen sollte: ich esse sie am liebsten gut durchgebraten.
Auch wenn meine Position nur mit dem Widerspruch klar kommen muss, daß ich Tiere esse, obwohl ich nicht sagen kann, wodurch ich selbst nicht Tier bin (aber ich kann feststellen: ich bin kein Ochse und kann dann friedlich meine Suppe schlürfen).
Alle anderen Positionen müssen wesentlich mehr Widersprüche auflösen, wenn die überkommenen Kritierien für eine Unterscheidung zunehmend dekonstruiert werden:
- Wandlungsfähigkeit der Begriffe Mensch/Tier
- soziales Verhalten
- Sprache
- Beherrschung der Umwelt durch Werkzeuge, Nahrungsmittelzucht
- und schliesslich, wenn wir sie mal verstanden haben werden: auch das abstrakte Denken
Dazu fällt mir dann Douglas Adams ein: „Das Restaurant am Rande des Universums“. 
Viele Grüße,
Phil