Hallo EV,
Ich konnte an unserer FH beobachten, dass Leute die gerademal
noch so weiter Bafög bekommen haben deutlich praxistauglicher
sind als einige „Fachidioten“, die sich um ihre Prüfungsnoten
nie sorgen mussten, weil die durchschnittlich gut bis sehr gut
waren.
Sorry, das stimmt einfach nicht. Wie beurteilst Du eigentlich ‚Praxistauglich‘? Was ist für Dich denn ein ‚Fachidiot‘?
Offensichtlich kann es sich da nicht um Ingenieure handeln, denn da gilt ganz klar: wer sich mit durchschnittlicher Intelligenz und einigermaßen Interesse am Studium beteiligt, hat keine Schwierigkeiten, das Studium in der geplanten Zeit zu bestehen. Und das sind nicht die praxisuntauglichen Fachidioten (die ich nebenbei nirgendwo kennengelernt habe). Im Gegenteil: je kürzer das Studium, desto besser der Ingenieur. Ist weit aussagekräftiger als die Abschlußnote.
Genauso gibt es Fälle, die im Grundstudium erstmal lernen
müssen, zu lernen (was man in der Schule nicht unbedingt
erlernt) und die das Hauptstudium deutlich besser
hinkriegen. Dein System birgt meiner Meinung nach die Gefahr
in sich, Fachidioten und Telefonbuchauswendiglerner zu fördern
und Praktiker auszusieben. (und ja, ich denke es muss auch
studierte Praktiker geben!)
Ich bin Praktiker. Auswendiglernen bringt in einem technischen Fach gar nichts.
Wie kommst Du nur darauf, daß ein Praktiker länger zum lernen braucht?
Aber nicht jeder, der mal ne Prüfung versiebt
ist faul. (ich gebe zu, meistens ist das der Grund, aber eben
nicht immer)
Nicht immer (ich war es damals bei meiner einzigen nicht bestandenen Klausur). Aber ein finanzieller ‚Schuß vor den Bug‘ kann dann sehr hilfreich sein.
Und nein, in manchen Dingen kann sich auch ein Student nicht
einschränken.
…
besser gesagt ein Zimmer wo Du den reinstellst, brauchst
Arbeitsklamotten (Kittel etc)…
Ich habe nicht gesagt, daß ein Student nichts braucht. Allerdings haben hier mindestens 2/3 der Studenten ein Handy. Und wenn ich mir den (vollen) Parkplatz und den (halbvollen) Bus so anschaue, fehlt es auch nicht am eigenen Auto. Es gibt durchaus noch Sparpotential.
Täusche ich mich, oder kannst Du nicht aussagen, das Bafög
reicht, ohne jemals welches bekommen zu haben?
Ja. Da hast Du mich erwischt. Ändert aber nichts an meiner Meinung. Dazu habe ich einfach zu nahen Kontakt zu Studenten.
Was aber, wenn da nicht so viel ausgezahlt wird. Die Eltern
melken bis die bereuen, Kinder bekommen zu haben? Oder nicht
doch lieber arbeiten gehn und lieber ein Semester länger in
Kauf nehmen?
Melken. Werden meine drei voraussichtlich auch.
Wollen wir Wortwahlen kritisieren? Wo ziehst Du die Grenze
zwischen gut und ausreichend?
Gut=Auto, Handy, Disko, Designerklamotten, Rauchen, eigene Wohnung.
Ausreichend= Unterkunft, Bücher, PC, Kleidung, Nahrung, Fahrrad, TASCHENGELD.
gut vs ausreichend
es gibt Regionen, in denen kommst Du ohne Auto nicht klar. Es
gibt nicht überall ne s-Bahn, die durch die Staßen bimmelt…
nein, es gibt sogar Dörfer, die sind nicht per Bus zu
erreichen. Da brauchst Du ein Auto, kannst Du mir glauben!
In welchem Dorf studiert man?
Man kann übrigens umziehen.
Das kostet aber auch.
Wieviel? Tapeten kann man selber kleben. Möbel kann man auch selber transportieren. Und es findet nur einmal statt. Wo ist das Problem?
Und die Wohnungen bzw. Zimmer direkt in
der Stadt kosten dem entsprechenden Preis! So denn man das
Glück erfährt, ein Zimmer in FH-Nähe zu ergattern. Denn ein
Auto braucht man ja Deiner Meinung nach nicht und wie gesagt-
Busse gibts auch nicht umsonst.
Fahrrad?
Pfffft… ja, natürlich bezahlt Dir das keiner. Mir nicht, dem
Sozielhilfeempfänger nicht- niemandem. Will ich ja auch gar
nicht. Mir ging es darum zu zeigen, das man auch als Student
u. U. ein Auto braucht (v.a. wenn man mit der Bahn über 200%
der normalen Strecke abfahren müsste).
Man. braucht. kein. Auto.
Vor allem: bezahl es selbst, wenn Du meinst.
Bist Du jeden Tag mit dem Fahrrad zur FH/Uni? Oder ist das
wieder so ein Ausspruch wie mit dem Bafög (was Du nie hattest)
das reicht? Dann ist mir das zu doof, hier drauf zu reagieren.
Ein Arbeitskollege fährt jeden Tag mit dem Fahrrad. Dazu kommt er aus einem Vorort (ca. 15km). Für den Winter hat er sich einen kleinen Motorroller angeschafft. Wie kommst Du immer nur darauf, daß jeder in Deutschland ein eigenes Auto braucht? Oder gar ein Recht drauf hat? Und was ist mit Fahrgemeinschaften? Man muß halt wollen!
ja, genau. Es gibt die Richtung desjenigen, der nie Bafög
hatte, nix zurückzahlen muss und vor 20 Jahren sicher nicht so
hohe Lebenshaltungskosten hatte, wie das heute der Fall ist
Die Lebenshaltungskosten waren früher die gleichen. Die Ansprüche nicht.
(vom heutigen hohen Roß herabschauen und sagen, das man auf
alles mögliche verzichten kann in der heutigen Zeit was man
vor 20 Jahren auch nicht hatte).
Ich gehe nicht so weit zu erzählen, daß meine Schwiegermutter zu Fuß 15km zur Arbeit gelaufen ist (sechs Tage die Woche). Aber verzichten muß und kann man. Es gibt kein Grundrecht auf Bequemlichkeit.
Die andere Richtung sieht eher aus der Sicht eines Bafög
Empfängers, der nebenbei trotzdem noch arbeiten gehen musste
(Semesterferien und teilweise im Semester), der gesagt bekommt
„hör mal, das brauchtest Du alles gar nicht. Du hast über
Deine Verhältnisse gelebt…“
Man kann eben nicht mehr ausgeben, als man hat. Auch wenn uns der Staat das jeden Tag vormacht, muß man sich daran ja kein Beispiel nehmen.
Btw., ein Freund von mir hat 5 Jahre ohne Bafög und Elternbeihilfe studiert (nach Elektrotechnik noch Zahnmedizin). Er war ein Jahr schneller als die Regelstudienzeit vorgab. Trotz Arbeit nebenbei. Allerdings hatte er auch ein Ziel vor Augen und hat sich dementsprechend bemüht. Und auf alles mögliche verzichtet - vor allem auf Freizeit. Sicherlich eine Ausnahme, aber es geht offensichtlich.
Ist das schon der Generationenkonflikt???
Vielleicht. Zu welcher Generation willst Du denn gehören?
Gruß
Axel