Todesstrafe

Rückfrage (ganz kurz)
Hallo
Ich möchte nur mal was nachfragen:

Ist für dich das Motiv „Rache“ Moralisch verwerflich oder nicht?

Man kann übrigens auch umgekehrt Argumentieren:
Wenn der Staat jemanden tötet, so mag das für die Angehörigen des Opfers „Erleichternd“ sein, für zahlreiche andere ist das aber belastend, da der Staat ja immer „im Namen des gesamten Volkes“ handelt.

Gruß
Mike

Hallo,

(Alleine die minimale Chance eines Fehlurteiles, sei es durch
Irrtümer von Zeugen, sei es durch manipulierte Beweise, sei es
durch fehlerhafte psychiatrische Gutachten ist ein schwerse
Argument gegen die Tosdesstrafe)

Manipulation kann man sicher nicht als Argument anführen. Jemand, der in der Lage ist so massiv Beweise zu fälschen, könnte auch einfach jemanden umbringen und es hinterher als Notwehr oder gar Selbstmord aussehen lassen… wozu also die Gefahr eines Gerichtsverfahrens?
Psychiatrische Gutachten… da kann ich nicht folgen. So etwas wie Schuldunfähigkeit gibt es bei einem Mord (nicht Totschlag!) nicht.

Kommen wir nun zu deinem Argument, dass ein Mord nicht mehr
durch das Verzeihen des Opfers „geheilt“ werden kann.

Ah… ein nettes Argument. Aber das ist es ja eben: Bei einem Mord gibt es nicht nur ein Opfer! Auch alle Personen, die das (primäre) Opfer kannten, sind Opfer des Mordes! Und diese WOLLEN eben nicht verzeihen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, und keine noch so
furchtbare Handlung stellt den Täter ausserhalb der
menschlichen Gemeinschaft.

Die Würde des Täters ist also höher einzustufen als sein eigener Wille? Woraus besteht dann die Würde? Ich würde sagen hauptsächlich aus dem Recht einen eigenen Willen zu haben - Du jawohl nicht. Woraus besteht dann die Würde?

Eine Abschreckung durch die Todesstrafe findet nicht statt.
Tatsächlich haben länder mit Todesstrafe eher höhere
Kriminalitätsraten.

ARGH!!! Schon wieder. Du verdrehst (wie viele Gegner der Todesstrafe) Ursache und Wirkung. Länder mit hohen Kriminalitätsraten führen oft die Todesstrafe ein. Die hohe Kriminalitätsrate ist also die ursache, die Todesstrafe nur die Auswirkung. Im übrigen lässt sich zeigen, dass die 1. Ableitung der Mordrate nach der Zeit (also die Steigerung der Mordrate) durchaus durch die Einführung der Todesstrafe verringert wird!

Man kann natürlich in einer Gesellschaft, in der Rache nicht
als Moralisch verwerflich gesehen wird, mit genau diesem
Argument die Todesstrafe rechtfertigen.

Es bleibt, wie alle Moralischen Fragen, eine Geschmacksfrage.

Okay, da können wir uns wohl drauf einigen.

Grüße,

Anwar

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Wer sagt dir, dass dieses nicht passiert ist?

Stimmt, ich hab ganz übersehen, dass die isr. Regierung verhaftet wurde.

Ja? Mir ist immer noch unklar, was deine Argumente gegen eine
Mitdiskutantin hier nun der Diskussion um Todesstrafe gebracht
haben

Gar nichts. Es ging mir nur um die imho geheuchelte Aussage.

Grüße Dusan

Hallo Eli,

Mit dieser Argumentation habe ich zwei Probleme: Zum Einen
benutzt Du hie das Präventiv-Argument, welches (wie von mir
dargestellt) überhaupt nicht für die Todesstrafe sprechen
kann.

Sprach ich für die Todesstrafe? Nein, ich habe nur erst einmal
versucht klarzustellen, was für mich überhaupt die Basis von
Justiz hier ist.

Genau. Und ich „werfe Dir vor“ ein absichtlich unbrauchbares Argument für die Todesstrafe zu nehmen, um es dann „triumphal“ zu negieren. :smile:

Tatsache ist, dass es IMMER, egal in welcher Art von
Gesellschaft Mörer geben wird.

Das ist erst einmal nur eine These oder Annahme.

Auf die wir uns einigen können? Oder nicht?

So etwas ist nicht zu verhindern.

Allgemein sicherlich nicht,

Aha. Wir können uns also auf diese Annahme einigen.

ich kann aber sehr wohl
Rahmenbedingungen in einer Gesellschaft schaffen, wo es zu
mehr oder weniger Morden kommt.

Die meisten Morde geschehen aus Eifersucht, Perversion oder ähnlichen persönlichen Motiven. Wie da eine Förderung sozial schwacher Gesellschaftsschichten helfen soll musst Du mir bitte erklären.

Oder eben auch die Frage, wie mit den Personen umgegangen
wird, welche eine enge Beziehung zum Opfer hatten. Wird diesen
dabei angemessen dabei geholfen?

Bingo. Für mich (und andere anscheinend auch), wäre die beste Hilfe den Mörder zu töten. Vielen Dank.

Findet hier ein Ausgleich
statt? Das geht dann in die Richtung ob man „Rache“ und somit
weitere Morde verhindern will, aber auch ein
Gerichtigkeitsempfinden, dessen Mangel auch wieder zu Morden
führen kann.

Kannst Du das etwas ausführen? Ich konnte beim besten Willen nicht folgen.

Grüße,

Anwar

Kindermord!
Dringlichst möchte ich hier einmal zu Bedenken geben, dass ein Mörder nicht quasi über Nacht zum Mörder wird. Die Schuldfrage liegt eben nicht allein beim Täter. Es ist ein langer Prozess einer psychischen Fehlentwicklung, bevor ein Mensch zu solch einer Tat fähig ist. Im Vorfeld versagt das gesellschaftliche und familiäre Umfeld, wie Elter, Schule, berufliches Umfeld usw. Vom Täter gehen eine Menge verzweifelter Signale aus, die eine solche Entwicklung kennzeichnen und die viel zu spät wahrgenommen werden.
Ja, man kann in den meisten Fällen von einem totalen Versagen des gesellschaftlichem Umfeld eines Mörders sprechen. Und somit wird die Schuldfrage zu einem ges. Problem, wo eine Rachegenugtuung nicht eine Beseitigung des eigentlichen Problems darstellt, sondern die Wirkung und nicht die Ursache bekämpft.

Letztlich begünstigt auch unser antiautoritäres Freiheitsstreben solche Entwicklungen. Moralische Grenzen werden ständig verschoben und Gewalt ist im Spiel bereits erlernbar.

Fablonow i.O.

oder auch Freiheitsentzug als eine Art
„staatliche Rache“ (klingt blöd, aber seid gnädig, Ihr wißt
sicher wies gemeint ist).

ich weiß was du meinst. vollkommen in ordnung.

früher mal, bevor man von „resozialisierung“ und „therapie“ sprach, gab es überhaupt nur diese ideen hinter einer strafe:

  1. bekundung der autorität durch sanktionierung. (ein gesetz ohne folgen bei übertretung ist keines.)
  2. abschreckung
  3. „sühne“ durch abtragen der schuld an der gesellschaft, hinterher wiedereingliederung des täters
  4. entschädigung am opfer

punkt 3 und 4 fallen bei mord naturgegeben schonmal weg.

Läuft sonst ja auch so: „…wird mit Geldstrafe oder
Freiheitsentzug bis zu 3 Jahren bestraft…“

wenn man schon mord im allgemeinen mit lebenslang bestraft, gibt es keine steigerung mehr?

Zum Justizirrtum kann ich nur sagen: Auch einen nicht
tödlichen kann man nicht wiedergutmachen. Wenn jemand 35 Jahre
lang im Gefängnis gesessen hat und es kommt raus, daß er
unschuldig ist: glaubt hier ernsthaft jemand, das könne man
wiedergutmachen?

nein, aber entschädigen. wer einen mordversuch (eine todesstrafe an unschuldigen ist mord, eine nicht ausgeführte der versuch) erlebt hat, ist am ende durchaus froh noch am leben zu sein. erhält er genügend entschädigung, um den rest seines lebens sorgenfrei zu genießen und sich zb. reisen und andere angenehme dinge leisten zu können, ist das zwar alles andere als in ordnung, aber immerhin besser als mord!

(btw die angemessene strafe bei mordversuch wäre analog zur todesstrafe leibeigenschaft: der gesamte lebenserfolg des täters müßte an das opfer übergehen, als hätte er sein leben verspielt.)

gruß
dataf0x

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Hallo,

Ist für dich das Motiv „Rache“ Moralisch verwerflich oder
nicht?

Koinzidenz der Antworten. Immer ein Problem bei Foren. :smile:
Wie schon in meiner Antwort auf Deinen Beitrag gesagt: Nein, nicht verwerlich. Wobei ich dabei zwischen „Rache der Gesellschaft“ und „Rache einzelner Individuen“ unterscheide (wie ja auch geschrieben).

Man kann übrigens auch umgekehrt Argumentieren:
Wenn der Staat jemanden tötet, so mag das für die Angehörigen
des Opfers „Erleichternd“ sein, für zahlreiche andere ist das
aber belastend, da der Staat ja immer „im Namen des gesamten
Volkes“ handelt.

Ich schrieb ja: Nicht der Staat soll den Mörder töten, sondern der, der es will. Insofern zeiht dieses Argument nicht (oder nur kaum, insofern der Staat ja die Tötung billigt bzw. legitimiert, sie aber nicht selbst ausführt).

Grüße,

Anwar

Hallo (Begrüssung),

Ja, man kann in den meisten Fällen von einem totalen Versagen
des gesellschaftlichem Umfeld eines Mörders sprechen. Und
somit wird die Schuldfrage zu einem ges. Problem, wo eine
Rachegenugtuung nicht eine Beseitigung des eigentlichen
Problems darstellt, sondern die Wirkung und nicht die Ursache
bekämpft.

Blablabla… Mörder unschuldig, Gesellschaft schuld…blablabla…
Entweder Du argumentierst sachlich ode gar nicht.

Letztlich begünstigt auch unser antiautoritäres
Freiheitsstreben solche Entwicklungen. Moralische Grenzen
werden ständig verschoben und Gewalt ist im Spiel bereits
erlernbar.

Kleiner Hinweis: Die meisten (nicht-professionellen) Mörder sind Beamte, keine Ego-Shooter-Spieler. Vielleicht sollte man das Beamtentum verbieten und nicht die Ego-Shooter?

Grüße,

Anwar

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hi

Wenn wirklich argumentiert wird, „jemand, der so lange im
Gefängnis sitzt, wird von allen mitfinanziert“, dann finde ich
das in höchstem Maße bedenklich. Dafür haben wir eine
Sozialgesellschaft, die auch für die Mitglieder aufkommt, die
durch die Maschen fallen.

wer sagt, daß das überhaupt so sein muß? in den USA sind gefängnisse unternehmen, die noch geld einbringen.

Und die „selber Schuld“
Argumentation kann da nicht gelten.

ein verbrecher ist prinzipiell „selbst schuld“. die verantwortlichkeit ist die grundlage jeden strafsystems.

Angenommen, ein

Motorradfahrer fährt zu schnell, hat einen Unfall und wird
dabei schwerstverletzt, so dass er sein Leben lang gepflegt
werden muss - Verwandte hat er keine.

er kann hoffen, genügend versichert zu sein!

Er ist auch „selber
Schuld“, aber keiner wird dafür plädieren, dass man ihm die
Pflege verweigert.

wenn er erstens so dumm war nicht vorsichtig zu fahren und zweitens ohne versicherung, wird er von der wohlfahrt leben müssen. wie kommen andere dazu das noch zu finanzieren?

Und wer im Gefängnis sitzt kann ja durchaus
zu Arbeiten herangezogen werden, von mir aus auch harte
Arbeit, denn es soll ja durchaus auch eine Strafe sein.

wie gesagt: US-gefängnisse sind unternehmen, die noch geld erwirtschaften.

Wenn sie
aber um Vergebung bitten - keiner sollte Recht haben, diese
Vergebung zu verwehren.

nur das opfer kann ein unrecht vergeben. wenn das opfer tot ist, gibt es keine vergebung.

„wir lassen Milde walten, weil Du
Deinen Fehler einsiehst“.

das ist anmaßung gegenüber den angehörigen der opfer.

Man kann die
Gesellschaft vor ihnen schützen, aber man kann sie nicht
einfach wegstreichen.

wenn es möglich wäre, dann sollte man das tun. ich habe aus moralischen gründen überhaupt nichts dagegen, notorische besonders gefährliche mörder umzubringen, wenn sie sogar für das gefängnispersonal noch eine gefahr für leib und leben darstellen.

aber dagegen sprechen die von mir aufgezeigten prinzipiellen, praktischen überlegungen. ES GEHT NICHT, ohne sich in widersprüche zu verwickeln, die so dramatisch sind, daß sie MICH treffen können. ICH könnte als unschuldiger dran glauben müssen. daher bin ich frei nach kant gegen die ausführung der todesstrafe. ich würde nicht wollen, daß das gesetz wäre, da es mich treffen könnte.

Sollten verbrecherische
Diktatoren (Hitler, Hussein,…) hingerichtet werden dürfen?

nein. aber ich bin froh, wenn es dann doch jemand außerhalb des gesetzes mit erfolg tut! klingt widersprüchlich? nein. ich habe weiter oben eingeräumt, daß das bauchempfinden sich nicht mit rationalen überlegungen decken muß, und daß moral sich nicht mit gesetz decken muß.

gruß
dataf0x

Hallo,

(btw die angemessene strafe bei mordversuch wäre analog zur
todesstrafe leibeigenschaft: der gesamte lebenserfolg des
täters müßte an das opfer übergehen, als hätte er sein leben
verspielt.)

Eine durchaus sinnvolle Betrachtung.

Grüße,

Anwar

Wenn Du mit Mini-Wahrscheinlichkeiten eines Irrtums
nach mehrfacher Revision und jahrelangen gründlichsten
Nachforschungen argumentierst, solltest Du die
Mini-Wahrscheinlichkeit in Betracht ziehen, dass
Tausende Mörder hinter Gittern sitzen, und kein
Gefängnis 100% ausbruchsicher ist.

das ist ein starkes argument. hast du zahlen? man müßte fatale ausbrüche von killern mit exekutierten fehlurteilen vergleichen.

gruß
dataf0x

das ist ein starkes argument. hast du zahlen? man müßte fatale
ausbrüche von killern mit exekutierten fehlurteilen
vergleichen.

Bloß nicht. Kein Mord (also eine Ausführung der Todesstrafe trotz faktischer Unschuld) kann damit gerechtfertigt werden, dass man andere Morde verhindern kann. Die logische Konklusion wäre sonst ALLE Menschen zu töten. Warum? Einfach: Zur Zeit gibt es 6 Mrd. Menschen auf der Welt. Tötet man alle, wird es (vorraussichtlich) nie wieder Menschen auf der Welt geben. Tötet man sie nicht, so werden im Laufe der Zeit irgendwann einmal mehr als 6 Mrd. Morde begangen worden sein und man hätte uns jetzt doch alle umbringen sollen.

Grüße,

Anwar

Hallo Anwar.

Genau. Und ich „werfe Dir vor“ ein absichtlich unbrauchbares
Argument für die Todesstrafe zu nehmen, um es dann „triumphal“
zu negieren. :smile:

Ach so. Da hast du natürlich recht, nur leider wird dieses Argument ja immer noch genannt, somit kann es nichts schaden, es auch immer wieder einmal zu bearbeiten.

Tatsache ist, dass es IMMER, egal in welcher Art von
Gesellschaft Mörer geben wird.

Das ist erst einmal nur eine These oder Annahme.

Auf die wir uns einigen können? Oder nicht?

Mh, wenn wir hier ethisch diskutieren, dann ja, religiös aber nicht, da ich hier sehr wohl von der einmal mörderlosen Gesellschaft ausgehe.

Aha. Wir können uns also auf diese Annahme einigen.

Ja, wenn ich obige religiöse Bedingung aussen vor lasse.

Die meisten Morde geschehen aus Eifersucht, Perversion oder
ähnlichen persönlichen Motiven. Wie da eine Förderung sozial
schwacher Gesellschaftsschichten helfen soll musst Du mir
bitte erklären.

Nicht nur und darauf habe ich mich hier auch nicht bezogen, somit hast du hier recht, dass gerade in dem Bereich es viel weiter gehen müsste. Auch diese Motive haben ihre gesellschaftliche Basis und hier wäre ich mir aber auch schon nicht mehr sicher - beziehungsweise ich bin mir sicher, dass nicht - die Gesellschaft wirklich so weit gehen wollte.

Immerhin müsste dann ja jeder Einzelne an sich arbeiten und daran, dass er selber eben nicht alles ist. - Merke gerade, dass es gar nicht so einfach ist, hier ohne religiösen Bezug auszukommen :wink: - Das kan man dann sicherlich als Ideal annehmen, was wir so erst einmal nie erreichen können. Meine These ist aber, dass alleine unser Streben danach dafür sorgen würde, dass es zu weniger Gewalt und damit auch Morden käme.

Aber mir ging es hier eigentlich weniger um Prävention, sondern um die gesamtgesellschaftlichen Bedingungen. Mir ging es darum, wie eine Gesellschaft angemessen damit leben kann, dass es in ihr Mörder gibt. Eine primitive Gesellschaft wird hierauf mit Verdrängung und damit der Todesstrafe antworten. Gelöst werden in meinen Augen damit aber die gesamtgesellschaftlichen Probleme dabei nicht. Auch einen Mörder hier einfach nur für x Jahre wegzusperren, greift in meinen Augen zu kurz, da auch dieses zum einen den Opfersicht nicht berücksichtigt und dann aber auch den Asperkt des Lernens und Änders auf Seiten der Täter unterdrückt.

Bingo. Für mich (und andere anscheinend auch), wäre die beste
Hilfe den Mörder zu töten. Vielen Dank.

Gerne geschehen :wink: Alles andere wäre aber auch naiv hier anzunehmen, dass diese Gruppe als nächstes mit dem Mörder eine Party feiern wollte. Das Problem dabei ist nur, dass dadurch erneut diese Gruppe geschaffen wird, nämlich auf Seiten des dann ermordeten Mörders, welche ja auch wieder nahe zu anderen Menschen steht. Diese werden das wohl selber auch nicht so gut finden.

Gelöst wurde dieses dadurch, dass man hier den Staat dazwischen stellte und so suggerierte, dieser zweite Mord wäre gesellschaft so gewollt.

Nur eine endgültige und angemessene Lösung scheint auch das für mich nicht zu sein, da es eben nicht aus Sicht aller als gerecht empfunden wird.

Findet hier ein Ausgleich
statt? Das geht dann in die Richtung ob man „Rache“ und somit
weitere Morde verhindern will, aber auch ein
Gerichtigkeitsempfinden, dessen Mangel auch wieder zu Morden
führen kann.

Kannst Du das etwas ausführen? Ich konnte beim besten Willen
nicht folgen.

Hierbei geht es mir darum, dass auch die gesellschaftliche Reaktion auf einen Mord die Gesellschaft ändern und definiert. Je nach Reaktion kann dieses als so ungerecht empfunden werden, dass die Betreffenden anfangen könnten ihr eigenes Gerechtigkeitsbild durchzusetzen und dieses Notfalls auch mit der Waffe. So kann ich mir hier nicht vorstellen, dass eine solche Gesellschaft zu weniger Morden führt.

Eine gerechte Gesellschaft würde hier in meinen Augen darüber hinaus eben nicht nur das Opfer in Form der Todesstrafe vertreten, sondern eben auch über sich selber nachdenken und welche Reaktion hier wirklich am ehesten zukünftige Gewalttaten verhindert.

Gruß,
Eli

hi
erstmal stern, für die herausfordernde argumentation.

Die Statistik zeigt, dass Mörder häufig,
wenn auch bestimmt nicht immer, eine Wiederholungstendenz
haben.

das brauchst du gar nicht so wackelig mit „tendenz“ formulieren. in der praxis (USA) wird die todesstrafe nicht für einfache morde verhängt (second degree murder = lebenslang), sondern nur für besonders grausame morde, mehrfachmorde, kindermorde und morde zum zwecke der vertuschung anderer verbrechen (first degree murder).

Die Gesellschaft soll keine Rachegelüste haben,
die Individuen, aus denen eben diese sich zusammen setzt,
haben aber zum Großteil eben diese Gefühle.

weshalb es nicht selten zu lynchmorden durch angehörige kommt, sogar im gericht selbst.

Insofern plädiere
ich nicht für eine generelle Todesstrafe, sondern für ein
Recht eines Individuums die Todesstrafe einzufordern.

das ist aber nicht ganz fair, wenn du das jetzt so darstellst :smile: es ging darum, ein allgemeines gesetz „wer X tut, wird staatlicherseits umgebracht“ argumentativ zu untermauern. das tust du ja nicht, wenn ich das richtig sehe.

Um
Missbrauch zu vermeiden könnte man durchaus auch daran Denken
die Strafe nur von eben jener Person ausführen zu lassen, die
diese auch einfordert.

das wäre staatlich legitimiertes lynchen - IMHO noch schlimmer als die todesstrafe selbst, da der staat sein straf- und machtmonopol einem bürger übergibt. das ist ein rückschritt in eine primitive gesellschaft von lynchmördern.

wenn lynchen MORALISCH in ordnung ist (für mich kann es das durchaus aus, wenn ich mir vorstelle, jemand tötet jemanden, den ich liebe, und ich begegne dem mörder mit einer waffe in der hand…?), dann muß es noch lange nicht legitim sein. wer den mörder seines kindes usw. umbringt, muß bestraft werden. aber milder - „tötung im affekt“.

Es bleibt nun noch ein letztes Caveat: Wenn der vermeintliche
Mörder unschuldig ist, so wäre seine Tötung selbst eine Art
Mord.

das ohnehin.

Daher muss selbstverständlich vollkommen ausgeschlossen
sein, dass ein Irrtum existiert. Im Gegensatz zu Dir bin ich
jedoch überzeugt, dass ein solches Wissen möglich ist, wenn
auch nur in wenigen Fällen. Gerade bei Vergewaltigungen und
ähnlichen Delikten sind die Spuren oft eindeutig.

ok geschenkt. diesen nebenpunkt lassen wir einfach mal außer acht, einfach, weil es so interessanter ist. (für mich ist es immer noch ein prinzipielles argument dagegen.)

gruß
dataf0x

Hallo,

(Alleine die minimale Chance eines Fehlurteiles, sei es durch
Irrtümer von Zeugen, sei es durch manipulierte Beweise, sei es
durch fehlerhafte psychiatrische Gutachten ist ein schwerse
Argument gegen die Tosdesstrafe)

Manipulation kann man sicher nicht als Argument anführen.
Jemand, der in der Lage ist so massiv Beweise zu fälschen,
könnte auch einfach jemanden umbringen und es hinterher als
Notwehr oder gar Selbstmord aussehen lassen… wozu also die
Gefahr eines Gerichtsverfahrens?

Nein, nicht nur Täter manipulieren Spuren…
Sondern auch z.B. die Ermittler, um denjenigen zu überführen, den sie zwar „wasserdicht und ganz klar“ als Schuldigen ansehen, aber es halt nicht gerichtsfest beweisen können. Das ist alles schon vorgekommen.

Psychiatrische Gutachten… da kann ich nicht folgen. So etwas
wie Schuldunfähigkeit gibt es bei einem Mord (nicht
Totschlag!) nicht.

Was ist, wenn es zwar als Mord aufgefasst wird, der Täter aber nicht zurechnungsfähig ist, und das halt nicht festgestellt wird?

Kommen wir nun zu deinem Argument, dass ein Mord nicht mehr
durch das Verzeihen des Opfers „geheilt“ werden kann.

Ah… ein nettes Argument. Aber das ist es ja eben: Bei einem
Mord gibt es nicht nur ein Opfer! Auch alle Personen, die das
(primäre) Opfer kannten, sind Opfer des Mordes! Und diese
WOLLEN eben nicht verzeihen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, und keine noch so
furchtbare Handlung stellt den Täter ausserhalb der
menschlichen Gemeinschaft.

Die Würde des Täters ist also höher einzustufen als sein
eigener Wille? Woraus besteht dann die Würde? Ich würde sagen
hauptsächlich aus dem Recht einen eigenen Willen zu haben -
Du jawohl nicht. Woraus besteht dann die Würde?

Dass ein Mensch durch den Staat bzw eine beliebige Exekutive nicht zum reinen Objekt herabgewürdigt wird. dazu gehört insbesondere das Verbot entwürdigender Bestrafung, wie Leibstrafen, Folter und natürlich die Todesstrafe als massivste Leibstrafe überhaupt.

Mehr dazu hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenwürde

Eine Abschreckung durch die Todesstrafe findet nicht statt.
Tatsächlich haben länder mit Todesstrafe eher höhere
Kriminalitätsraten.

ARGH!!! Schon wieder. Du verdrehst (wie viele Gegner der
Todesstrafe) Ursache und Wirkung. Länder mit hohen
Kriminalitätsraten führen oft die Todesstrafe ein.

Welches Land hat in den letzten Jahren die Todesstrafe wegen hohen Kriminalitätsraten eingeführt (Ich weiss nur von Gambia und den Philipinen, gebracht hat es dort herzlich wenig) und sind diese dadurch gesunken?
Die Abschaffung der Todesstrafe hat jedoch in keinem Fall einen Anstieg der Kapitalverbrechen bewirkt.
Die Kriminalitätsrate ist eben eher mit der Aufklärungsquote gekoppelt als mit der härte der Strafen. Anscheinden haben 95% Aufklärungsquoten mehr Abschreckungseffekt als drakonische Strafen.

Um ein Beispiel aus den USA zu bringen, bei in etwa gleichen Sozialen Lebensumständen (jaaaaaa, ich weiss) liegt die Kapitalverbrechensrate in den Staaten mit Todesstrafe etwas höher als in denen Ohne…

Man sollte bei allen statistischen Betrachtungen natürlich beachten, dass Korrelation noch lange keine Kausalität bedeutet.

Die hohe
Kriminalitätsrate ist also die ursache, die Todesstrafe nur
die Auswirkung. Im übrigen lässt sich zeigen, dass die 1.
Ableitung der Mordrate nach der Zeit (also die Steigerung der
Mordrate) durchaus durch die Einführung der Todesstrafe
verringert wird!

Quellen bitte.

Man kann natürlich in einer Gesellschaft, in der Rache nicht
als Moralisch verwerflich gesehen wird, mit genau diesem
Argument die Todesstrafe rechtfertigen.

Es bleibt, wie alle Moralischen Fragen, eine Geschmacksfrage.

Okay, da können wir uns wohl drauf einigen.

Du bist leider nich auf mein Argument eigegangen, dass ja DER STAAT unmittelbar oder mittelbar auch in MEINEM NAMEN einen anderen Menschen umbringt, bzw umbringen lässt, und zwar nicht aus einer unmittelbaren Gefahrensituation heraus (Finaler Rettungsschuss z.B.) oder als Kriegshandlung.
Stehen die Rachegefühle der Mitbetroffenen über meinen Gefühlen?

Und ich frage dich nochmals: darf ein Staat Handlungen durchführen oder sanktionieren, die er seinen Bürgern niemals erlauben würde?
Ist der Staat nicht „die Gemeinschaft seiner Bürger“ (so im Groben)
Darf eine Gemeinschaft Dinge tun, die diese Gemeinschaft selbst dem einzelnen Explizit verbietet? Es ist hierbei egal, ob ein Täter von einem staatlichen Henker oder von einem Angehörigen des Opfers (mit staatlicher Billigung) getötet wird. Im Endeffekt tötet der Staat, als Durchführendes Motiv dient Rache.

Ich darf aber selber aus Rache niemanden Töten, zumindest nicht ohne vorherige Staatliche sanktionierung.

Warum?

Gruß
Mike

Kleiner Hinweis: Die meisten (nicht-professionellen) Mörder
sind Beamte, keine Ego-Shooter-Spieler. Vielleicht sollte man
das Beamtentum verbieten und nicht die Ego-Shooter?

Hallo, Anwar,
könntest du eventuell für diese Behauptung eine (möglichst seriöse) Quelle angeben?
Gruß
Eckard

Bloß nicht. Kein Mord (also eine Ausführung der Todesstrafe
trotz faktischer Unschuld) kann damit gerechtfertigt werden,
dass man andere Morde verhindern kann.

du hast recht.

andererseits ist es ebenfalls ein verbrechen, wenn man ein imminentes oder stattfindendes verbrechen 1. wider besseres wissens 2. bei vorhandenen mitteln nicht verhindert. wenn ein bekannter notorischer serienmörder wegen fahrlässigkeit ausbricht und wen umbringt, dann ist das mord durch den staat. „man hätte ihn besser umbringen sollen.“

dem gegenüber steht der mord durch exekution eines unschuldigen.

patt?

gruß
dataf0x - jetzt haben wir die rollen getauscht *g*

Präventiv-Argument
Welche UNMITTELBARE Gefahr geht von einem alten, fast blinden Mann im Rollstuhl aus?

WIDERLICHE HETZE GEGEN MEINE PERSON

Da hats nicht lang gebraucht bis du Harald so weit hattest
mich zu löschen.

ich habe nicht einen mucks zu ihm gemacht.

Darf er dafür wieder mal zu Besuch kommen?

das ist verleumdung.

Wie kannst du das behaupten. Seit Jahren verteidigst du das
isr. System vehement.

DAS IST HIER OFFTOPIC. mach dich nicht noch lächerlicher als du es eh schon bist.

Ist es nicht Heuchelei zu behaupten, Gegner der TS zu sein und
andererseits Töten gutzuheissen?

lies meine beiträge in diesem thread. mehr ist dazu nicht zu sagen. ich brauche mich nicht zu rechtfertigen wie ein kleines kind.

was glaubst du was du eigentlich bist?

gruß
dataf0x

1 „Gefällt mir“

Hallo,

Die Statistik zeigt, dass Mörder häufig,
wenn auch bestimmt nicht immer, eine Wiederholungstendenz
haben.

das brauchst du gar nicht so wackelig mit „tendenz“
formulieren.

Ich bin halt bei diesem Thema vorsichtig und wollte nicht mit zu pauschalisierten Aussagen die Gemüter erhitzen (was letztendlich nur zu einem Nebenkriegsschauplatz führen würde).

Die Gesellschaft soll keine Rachegelüste haben,
die Individuen, aus denen eben diese sich zusammen setzt,
haben aber zum Großteil eben diese Gefühle.

weshalb es nicht selten zu lynchmorden durch angehörige kommt,
sogar im gericht selbst.

Was eben tragisch ist, da sich oft herausstellt, dass der „Mörder“ doch unschuldig war (was sich im Laufe der Verhandlung oft auch so gezeigt hätte).

Insofern plädiere
ich nicht für eine generelle Todesstrafe, sondern für ein
Recht eines Individuums die Todesstrafe einzufordern.

das ist aber nicht ganz fair, wenn du das jetzt so darstellst

) es ging darum, ein allgemeines gesetz "wer X tut, wird

staatlicherseits umgebracht" argumentativ zu untermauern. das
tust du ja nicht, wenn ich das richtig sehe.

Ja, siehst Du richtig. Aber unfair war es von mir nicht, denn Du hast etwas in meine sehr kurze Aussage hineininterpretiert (oder ich habe mich unklar ausgedrückt, wie auch immer).

Missbrauch zu vermeiden könnte man durchaus auch daran Denken
die Strafe nur von eben jener Person ausführen zu lassen, die
diese auch einfordert.

das wäre staatlich legitimiertes lynchen - IMHO noch schlimmer
als die todesstrafe selbst, da der staat sein straf- und
machtmonopol einem bürger übergibt.

Nein, es ist weder lynchen, noch eine Übergabe des Machtmonopols. Lynchjustiz ist es deshalb nicht, weil der Mörder ja staatlich verurteilt wäre zu dieser Strafe, vorher dürfte er natürlich nicht getötet werden. Ein Bruch mit dem Machtmonopol ist es aus dem selben Grund auch nicht (der Staat behält sich das Recht vor über die Strafe zu entscheiden). Er verleiht somit einem einzelnen Bürger für diesen Fall seine Staatsmacht (wie es ja bei Polizisten, Soldaten und anderen Beamten auch gemacht wird). Es ist halt eine zusätzliche Strafe, die im Wege der Nebenklage eingeklagt werden kann, so wie man ja auch bei Vergewaltigung neben der staatlichen Strafe auf Schmerzensgeld klagen kann.

das ist ein rückschritt in
eine primitive gesellschaft von lynchmördern.

Warum ist es schlimmer, dass ein Betroffener die Strafe ausführt, als ein unbeteiligter (staatlicher Henker)? Du schreibst selbst, dass der Betroffene eher über eine moralische Legitimation verfügt. Und die Schranke zwischen Jurisdiktion und Exekutive bleibt ja auch gewahrt.

Grüße,

Anwar