Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken?

Hallo liebe www-ler!

Ich habe folgendes Problem: ich tue mich schwer damit, Gefühle auszudrücken bzw. diese konkret zu benennen. Bisher hat mich das nicht sonderlich gestört. Ich höre viel Musik und denke dann, wenn ich einen Text höre: „ja, das trifft mein Gefühl“.

Jetzt ist es aber so, dass mein Psychologe mich immer nach Gefühlen fragt und ich ihm darauf keine Antworten geben kann. Ich antworte immer mit „gutes“ bzw. „schlechtes Gefühl“. Aber der Psychologe sagte, dass das kein Gefühl sei sondern die Bewertung von Gefühlen. Und ich soll die Gefühle benennen, z.B Trauer.

Und das ganze soll ich jetzt üben und eine Art Gefühlstagebuch führen. Jetzt sitze ich aber da und weiß nicht, was ich schreiben soll, wenn ich nicht „gut“ oder „schlecht“ verwenden darf. Mir fallen dann immer nur irgendwelche Songtexte ein. Aber ich glaube nicht, dass mein Psychologe damit zufrieden ist, wenn ich das nächste mal mit einer Sammlung Songtexte ankomme…

Gibt es eine Möglichkeit, zu „trainieren“, wie man seinen Gefühlen Namen gibt? Woher weiß ich denn, wie ich ein Gefühl benenne?

Danke schon mal vorab für Antworten.
Micky

Liebe Micky!

Meine Antwort ist nur eine Idee von mir, keine Ahnung, ob es so funktionieren kann.

Du könntest versuchen zu beschreiben, wie sich das jeweilige Gefühl äußert und anfühlt.
Z.B.: mein Herz zieht sich zusammen. In meinem Bauch fühlt es sich warm und wohlig an. Es zieht sich wie ein Gürtel um meine Brust. Mein Hals fühlt sich an wie zugeschnürt… Das ist angenehm/ unangenehm, das tut weh, das ist befreiend…
Und, was es auslöst… Ich habe das Bedürfnis, zu weinen, zuzuschlagen, wegzurennen, zu lachen, jemanden zu umarmen, mich trösten zu lassen, …

Dein Therapeut wird mit der Beschreibung sicher etwas anfangen können und kann dir Vorschläge machen, welcher Begriff dieses Gefühl am ehsten treffen könnte. Eine wage Vorstellung von dem, ob du nun eher ängstlich oder wütend bist, hast du sicher. So kannst du dir im Laufe der Zeit die Begriffe aneignen.

Auch würde ich dir dringend raten, viele Bücher über die jeweiligen Gefühle zu lesen. So dass du dir besser ein Bild machen kannst, wo ein Gefühl herkommen kann und wie es sich äußern kann.

Eine weitere Möglichkeit ist vielleicht die Musik.

Ich höre viel Musik und denke
dann, wenn ich einen Text höre : „ja, das trifft mein Gefühl“.

D.h., nicht die Melodie spricht dein Gefühl an, sondern der Text?! Dann hast du doch hier eine prima Quelle gefunden, in der deine Gefühle beschrieben werden.
Auch möglich: Spiele die Stücke deinen Freunden vor und frage sie, welches Gefühl die Musik bei ihnen auslöst.
Lies Kritiken, in denen wird häufig die Stimmung beschrieben.

Wenn im Gespräch mit Freunden Sätze fallen wie „ich war so wütend…“, ich habe Angst gehabt…", dann frage nach, wie sich das Gefühl äußert. Wenn du dich traust, kannst du dein Problem schildern und vielleicht helfen dir gute Freunde dabei, deinen Gefühlen Wörter zu geben.

Mir fallen dann immer nur irgendwelche Songtexte ein.
Aber ich glaube nicht, dass mein Psychologe damit zufrieden
ist, wenn ich das nächste mal mit einer Sammlung Songtexte
ankomme…

Wenn die Songtexte aussagekräftig sind und du noch etwas im o.g. Sinne ausschmückst, sollte er sich fürs Erste zufrieden geben. Mache ihm dein Problem noch mal in aller Klarheit deutlich, sage ihm, dass du es gerne lernen möchtest und frage ihn, ob er dir dabei behilflich sein kann.

Viel Erfolg
wünscht jeanne

Es gibt -glaube ich- gar nicht sooo viele Gefühle.
Irgendwo wird man nachlesen können, welche das sind (weiss das selber nicht :wink: )- nur, daß es gar nicht so eine Unmenge ist!

Ich würde mir diese mal raussuchen:
weiss nur Traurigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung…oder Freude…- aber etwas mehr ist es dann doch… :wink:

Nur- wenn Du diese Benennung hast, wirst Du eine eigene bessere Beurteilung Deiner Gefühle machen können!
Sicher nicht ganz einfach am Anfang- aber damit lernt man sich sehr genau anzusehen!!

Kitty

.

Ach, Micky,

bestimmt mach’ ich mich jetzt unbeliebt und wirk’ auf den einen oder andren womöglich gar zu „jugendlich“ forsch:

Doch frei nach Woody Allen, mag ich Dir nahelegen, umgehend den Therapeuten zu wechseln.

Es ist nicht so, daß er falsch läge: er liegt goldrichtig.

Lediglich feinstfühlige Geduld ist ihm leicht „fremdwörtlerisch“, und das bewirkt - gegen seine Absicht - eine verfolgende Haltung.

Such jemanden, welcher in der Lage ist, die sinnvolle vom ersten Therapeuten anvisierten Ziele, mit mehr Geduld, Humor, gewährender warm unterstützender Haltung, Self Restreint und dennoch navigationssicherer Konsequenz anzupeilen. Wenn man 's mir verzeiht: Jemand leicht weniger „deutsch“, leicht „brasilianischer“…, Dir in Deinen ersten Schritten auf das Unvertraute zu gerechter…

Nur Mut: Es wird mit Sicherheit werden!

abifiz

.

Ich würde mir diese mal raussuchen:
weiss nur Traurigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung…oder
Freude…- aber etwas mehr ist es dann doch… :wink:

Danke. Die Idee finde ich gut. Ich habe jetzt so eine Art Sammlung angelegt. Aber was ist denn z.B der Unterschied von Hilflosigkeit und Verzweiflung?

Vielleicht ist auch nur innere Leere.

Danke erst mal für die Antwort.

Du könntest versuchen zu beschreiben, wie sich das jeweilige
Gefühl äußert und anfühlt.
Z.B.: mein Herz zieht sich zusammen. In meinem Bauch fühlt es
sich warm und wohlig an. Es zieht sich wie ein Gürtel um meine
Brust. Mein Hals fühlt sich an wie zugeschnürt… Das ist
angenehm/ unangenehm, das tut weh, das ist befreiend…
Und, was es auslöst… Ich habe das Bedürfnis, zu weinen,
zuzuschlagen, wegzurennen, zu lachen, jemanden zu umarmen,
mich trösten zu lassen, …

Die Idee ist eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass wir ganz oft von Vergangenem reden und ich das dann nicht mehr so genau beschreiben kann. Ich kann nur noch sagen, dass es eben ein „schlechtes“ oder „unangenehmes“ Gefühl war. Aber für aktuelle Situationen bestimmt annehmbar.

Aber ich denke oft an kürzlich Vergangenes zurück und frage mich dann, was ich da „gefühlt“ habe. Mir fallen dann vielleicht Gedanken der Unsicherheit ein. Aber das ist dann auch kein „Gefühl“. Ich habe immer nur Gedanken im Kopf, keine Gefühle. Ich glaube, Gefühle immer nur dann zu „spüren“, wenn sie extrem ausgeprägt sind. Sonst glaube ich, gar nichts zu fühlen. Kann das sein oder fühlt man immer „irgendwas“?

Und ja, du hast das richtig verstanden. Ich beziehe mich auf die Texte, nicht auf die Liedmelodie. Und ich schreibe mir auch ganz oft mit meiner Freundin solche Texte. Sie ist in der Beziehung wie ich. Nur dass sie besser „selbstständig“ über ihre Gefühle reden kann. Ich brauche dazu die Texte. Vielleicht kann ich ja versuchen, meine Gefühle so weit ich es kann aufzuschreiben und in den Situationen, wo es mir nicht gelingt, vorübergehen zumindest Songtexte verwenden und mich nach und nach von diesen löse?

Wenn im Gespräch mit Freunden Sätze fallen wie „ich war so
wütend…“, ich habe Angst gehabt…", dann frage nach, wie
sich das Gefühl äußert.

Ja. Das ist auch eine gute Idee. Werd ich mal versuchen.

Danke für die vielen Tipps!

Vielleicht ist auch nur innere Leere.

Nein. Über die Phase bin ich weg. Aber trotzdem Danke.

Hallo Micky,

Gibt es eine Möglichkeit, zu „trainieren“, wie man seinen
Gefühlen Namen gibt? Woher weiß ich denn, wie ich ein Gefühl
benenne?

Ja, die Möglichkeit gibt es, man nennt das Therapie, wobei mir der Gedanke, dass Dich Dein Therapeut damit allein lässt und Dir eine für Dich momentan unlösbare „Hausaufgabe“ verabreicht hat, gar nicht gefällt. Denn genau das kannst Du nur in Zusammenarbeit mit einem einfühlsamen Therapeuten erarbeiten. Vielleicht einem anderen als Du jetzt hast. (Daher auch ein Sternchen für abifiz von mir)

Danke schon mal vorab für Antworten.
Micky

Gruß
Morrighan

Danke. Die Idee finde ich gut. Ich habe jetzt so eine Art
Sammlung angelegt. Aber was ist denn z.B der Unterschied von
Hilflosigkeit und Verzweiflung?

also- zuerst mal kannst du dir bei wikipedia unter „emotionen“ auch noch einiges dazu anlesen- anlegen fürs papier :wink:

der unterschied von hilflosigkeit und verzweiflung…
kann ich nun nur aus meinem empfinden erklären…
wenn ich mich hilflos fühle, dann muss ich mich nicht gleich vezweifelt fühlen!
hilflos fühlen wir uns alle - immer wieder mal-- oft auch in ganz „lapidaren"situationen!
„finde ich den weg?“-“ schaffe ich die aufgabe?"…das sind alles hinterher schaffbare situationen, die einen aber dennoch erst mal( kann auch nur ganz kurz sein) einnehmen…

man fühlt sich in so einem moment einfach auch überfordert, fragt sich, ob man das kann…ob man das schafft…
wiegesagt- hat jeder- nur ist es gerade im alltag kaum einem annährend bewusst!

steigerung sind da dann eher situationen, denen man ausgeliefert ist…wenn man nichts tun kann…

verzweiflung- könnte vielleicht als steigerung davon angesehen werden!?
man ist einer situation ausgeliefert- sieht keinen ausweg- und fühlt sich wahrscheinlich insgesamt schlechter als bei hilflosigkeit!

schwer zu beschreiben…und auch nur MEINE auslegung…die vielleicht andere anders beschreiben würden…

kitty

Die Idee ist eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass wir

ganz oft von Vergangenem reden und ich das dann nicht mehr so
genau beschreiben kann. Ich kann nur noch sagen, dass es eben
ein „schlechtes“ oder „unangenehmes“ Gefühl war.

ich glaube, es ist immer schwer rückblickend ein gefühl zu beschreiben, wenn man es selber kaum wahrnehmen kann!
insofern-- fang einfach HEUTE damit an!!

man wird mit der zeit immer sensibler dafür, wie man sich fühlt-- und WAS genau das da in einem gerade ist!
und ja-- man fühlt IMMER irgendwas!!
nur wird in unserer gesellschaft gefühl ja verdrängt-- wenn,dann darf man freude zulassen…alles andere ist ja „nix“!

man muss sich auch seiner gefühle nicht ständig im klaren sein-- mir gehts manchmal auch so, daß ich mich einfach nur verwirrt fühle.
wenn man den gefühlen mal keine wertung gibt-- mal nicht sagt-- das negative gefühl von traurigkeit-- sondern-- NUR traurigkeit, dann kann man vielleicht auch leichter zulassen!??

ist doch so-- wenn wir von freude reden…dann fällt uns das leicht-- oder?? :wink:

kitty

Falls das nicht schon gesagt wurde, aber Songtexte oder Musik sind doch schon mal ein Anfang. Auf jeden Fall gut genug, um mit dem Psychotherapeuten drüber zu reden. Wenn Du in einer konkreten Situation eben das Gefühl hast, daß dieser konkrete Song grade passt…
Variiert denn die Musik wenigstens, oder kannst Du immer nur die gleiche Art songs zuordnen??

Ansonsten hilfts gegebenenfalls zu rationalisieren: „Ich müsste grade verärgert sein…“, aber über solche Hilfen kannste bestimmt mit Deinem PT reden.

Anyway denke ich nicht, daß es da drinne einfach nur leer ist. Da wird schon was an Emotionen sein, sind bei jedem Menschen. Schon biologisch gesehen :wink:

Also in den Sitzungen war es bisher eigentlich so, dass mein Psychologe mir, wenn ich es nicht geschafft habe, die Gefühle zu benennen, Vorschläge gemacht hat. Und je länger ich über die Aufgabe nachdenke, um so mehr glaube ich, dass es gar nicht in erster Linie darum geht, zu sagen, was ich fühle sondern darum, dass ich überhaupt was fühle bzw. das ich mir dessen bewusst werde (meine Standardantwort nach Gefühlen: „weiß ich nicht“)

Und heute ist es mir auch schon leichter gefallen. Ich weiß auch nicht.

Ich bin mit dem Psychologen (kein Psychotherapeut) bisher eigentlich zufrieden. Immerhin hat der Mann es hinbekommen, dass ich durch seine Tipps von Gedanken übelster Art in nur wenigen Tagen weggekommen bin. Und außerdem wäre es in meinem Fall aus beruflichen Gründen auch gar nicht so einfach, zu wechseln. Also ich könnte inerhalb der Einrichtung wechseln. Aber das will ich im Moment nicht. Ich mein, schließlich hätte ich ja auch nachfragen können.

Und nur zur rein sachlichen Info: ich bin nicht in Therapie, sondern bei einer psychologischen Beratung

Gruß Micky

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Variiert denn die Musik wenigstens, oder kannst Du immer nur
die gleiche Art songs zuordnen??

Also das variiert in sofern, als dass ich von 3 verschiedenen Bands und einem Sänger Musik höre. Die Texte beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Sinn von Leben und Alltagsproblemen - meist aber in Verbindung mit Gefühlen. Das konkret inhaltliche Spektrum ist ziemlich groß.

Gruß Micky

Naja, wie gesagt, das lößt die Aufgabe nicht, aber es ist auf jeden Fall schon ein Ansatz, den man ausbauen kann. Was bedeuten denn die Lieder für Dich… Naja, kannst Dir ja denken, wies läuft. Ist zwar ein Allgemeinplatz, aber: Musik ist eine sehr emotionale Sache.

Vielleicht ist auch nur innere Leere.

Nein. Über die Phase bin ich weg. Aber trotzdem Danke.

Einsam? Alleine?

Naja, wie gesagt, das lößt die Aufgabe nicht, aber es ist auf
jeden Fall schon ein Ansatz, den man ausbauen kann. Was
bedeuten denn die Lieder für Dich… Naja, kannst Dir ja
denken, wies läuft. Ist zwar ein Allgemeinplatz, aber: Musik
ist eine sehr emotionale Sache.

Ich weiß nicht, ob es blöd klingt, aber ich empfinde die Lieder als ein Teil von mir. Sie gehören zu mir. Ich kann mir mich ohne die Lieder nicht vorstellen. Und wenn man mir die CD’s oder meinen MP3-Player wegnehmen würde, dann würd ich glaub ich ziemlich sauer werden… Das bin halt ICH. Auch wenn es nicht von mir kommt, aber es gibt ganz viele Gedanken, die ich mit den Liedern verbinde und man kann sie immer wieder neu auf das eigene Leben anwenden.

Vielleicht ist auch nur innere Leere.

Nein. Über die Phase bin ich weg. Aber trotzdem Danke.

Einsam? Alleine?

Ich geb’s nur ungern zu. Aber: Ja.

Gefühl und Ausdruck
Hi,

du studierst Germanstik?

Faust: 
Die **Wechselrede** lockt es, ruft's hervor.

Helena: 
So sage denn, wie sprech' ich auch so schön?

Faust:
Das ist gar leicht, es muß von Herzen gehn.
Und wenn die Brust von Sehnsucht überfließt,
Man sieht sich um und fragt ...

Helena:
 ... wer mitgenießt. 

usw. usw.
[Goethe, Faust II, 3. Akt, 9376ff]

Was du von dir als Problem beschreibst, ist recht deutlich. Aber wie und zu was dein „psychologischer Berater“ dich da motivieren will und warum er es so macht, das sollten wir hier besser nicht berurteilen, denn wir wissen es ja nur aus deinem Zitat.

Gefühle zu haben ist ja eines. Ein anderes ist, sie auszudrücken: Das ist ein extrem wichtiges Element des dialogischen Verhaltens, denn dann werden sie erst kommunikativ und interaktiv wirksam. Dabei ist es egal, ob in deutlichen direkten oder in konfliktschwangeren indirekten Signalen, und auch egal, ob in mimischer oder in verbaler Gestalt.

Es ist eine Frage der Beziehungsfähigkeit zu anderen Menschen. Wer es nicht tut oder nicht kann, ist in Beziehungen zerstörerisch oder ist früher oder später einsam (du deutetest es ja auch an). Gefühle nur indirekt, und dies eventuell sogar zusätzlich auch noch nonverbal, also nur mimisch, auszudrücken, ist sicher eine extreme Belastung für Beziehungen, und sicher zerstörerisch: Wenn etwa jemand miesepetrig rumschleicht und auf die Frage ‚was ist los?‘ nur ‚ach nix‘ antwortet.

Wie ginge es dir, wenn dich umgekehrt jemand strahlend anlacht und auf dein ‚??‘ nur antwortet ‚ich kanns nicht sagen‘?

Es ist also notwendig, Gefühlslagen, die ja zunächst „nur“ subjektiv sind, auf die kommunikative Ebene zu heben, um aus einer Einsamkeit eine Zweisamkeit zu machen. Dann erst beginnen sie objektiv zu werden, weil sie interaktive Realität erzeugen. Eben (siehe das Zitat oben) durch die Wechselrede.

Gefühle sind „unmittelbar“. Sie sind „da“, aber zuerst auf der Ebene eben des Fühlens. Zum Gedanken werden sie erst durch die Sprache (die auch bildlich sein mag, oder auch metaphorisch). Sie sind aber weder „wahr“ noch „falsch“ und auch weder „gut“ noch „schlecht“ - wie ein auf dem Boden liegendes Rosenblatt.

Die Sprache aber „repräsentiert“ die Gefühle nicht mehr „unmittelbar“: Die Sprache „deutet“, sie macht sie deutlich, deutbar und dadurch interaktiv wirksam. Daher kann Sprache ja auch Gefühle (beim anderen) erzeugen. Die Angst davor, Gefühle in Worte zu fassen, ist oft eine Angst davor, sie dadurch eindeutig werden zu lassen - Angst davor, „Farbe“ zu bekennen - Angst vor sich selbst, Angst vor der dadurch „manifest“ werdenden (oder auch erzeugten) Realität, und natürlich Angst vor den (interaktiven) Konsequenzen. Jenachdem ist das dann selbstzerstörerische Flucht vor der Realität, oder Lebensqualität verspielende Zimperlichkeit - oder ggf. auch schlicht Unfairness, also eine Frage des Charakters.

Nicht-Äußerung kann natürlich auch Schweigen heißen. Auch Schweigen kann ein wunderbarer und „kommunikativ wirksamer“ Ausdruck (und Erzeuger!!) von Gefühlen sein. Aber nur dann, wenn der Hintergrund, die „Atmosphäre“ dieses Schweigens eindeutig ist. Wenn das Schweigen nicht deutbar ist, wenn das „Warum“ als Rätsel dasteht und Zweifel erzeugt, wenn also der „Grund“ des Schweigens unergründbar ist, dann erzeugt es (beim anderen) auch Gefühle, aber chaotische: Die Deutung (der Gefühle des Schweigenden) wechselt dann von Stunde zu Stunde. Er wird gezwungen, permanent Deutungsarbeit zu leisten. Er kann seine eigenen emotionalen Response nicht stabilisieren …

„ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß … so schweigsam ist“

… und gerät in Ver"zweiflung", der er sich nicht entziehen kann, jedenfalls nicht, solange er sich in einer emotionalen Bindung an den Schweigenden befindet.

Schweigen kann also ein Medium euphorischer Wechselbeziehung sein, ein sprachlos-staunendes Fühlen des „wir“ - aber auch ein brutales Mittel emotionaler Erpressung.

Deshalb ist es enorm wichtig, Gefühle zum Ausdruck bringen zu können, denn der Nicht-Ausdruck ist ebenso interaktiv wirksam wie der Ausdruck. Im einen Fall bist du der Steuerer des Schiffes und erzeugst sogar die Wetterlage mit, im anderen Fall schaukelst du steuerlos im Sturm - der dann sicher auch erfolgt.

Ein ganz anderes Problem (und Thema) ist es aber, wenn jemand seine eigenen Gefühle nicht zu deuten …

„ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin …“

… oder überhaupt wahrzunehmen imstande ist oder wenn jemand nur kognitiv „registrieren“ kann, daß aktuell Gefühle „an sich“ anliegen „würden“ …

„ich fühle nichts“

Ob das bei dir so ist, läßt sich von außen aus dem von dir Gesagten nicht deutlich entnehmen.

Wo das so ist, wird das ganz sicher in der Biographie begründet und über lange Zeiträume angelegt sein. Dann wird aber eine simple verhaltenstherapeutiche Übung „lerne, deine Gefühle in Worte zu fassen“ in der Regel kaum nützen!

Je nachdem, was deine „psychologische Beratung“ mit der Aufgabe mit dir anzielt, solltest du dir aber klarmachen, daß du dich dieser Aufgabe nicht unterziehst, um dem Berater einen Gefallen zu tun oder um ihm eine folgsame Schülerin zu präsentieren. Im günstigsten Falle (den man nur hoffen kann!), will er dich zu einer Arbeit an dir selbst und mit dir selbst motivieren. Und dann macht es auch keinen Sinn, wenn du - wie hier - um eine Art Hausaufgabenhilfe nachsuchst: Du mußt das Problem alleine lösen!

Denn dann geht es um eine Gefühlsorganisation in dir selbst. Jeder Tip von anderen, fremden würde nur dazu beitragen, daß du (weiterhin?) Gefühle nur kognitiv präsentierst und organisierst.

Viel Erfolg wünscht dir

Metapher

Danke für die ausführliche Antwort.

Wie ginge es dir, wenn dich umgekehrt jemand strahlend anlacht
und auf dein ‚??‘ nur antwortet ‚ich kanns nicht sagen‘?

Na ja. Ich würde dann ihn dann in Ruhe lassen, weil ich dann denke, dass er erst mal Zeit für sich braucht, um drüber nachzudenken, dass er drüber sprechen kann.

Es ist also notwendig, Gefühlslagen, die ja zunächst „nur“
subjektiv sind, auf die kommunikative Ebene zu heben, um aus
einer Einsamkeit eine Zweisamkeit zu machen. Dann erst
beginnen sie objektiv zu werden, weil sie interaktive
Realität erzeugen. Eben (siehe das Zitat oben) durch
die Wechselrede.

Wie können Gefühle je objektiv werden? Geht es in „echten Gesprächen“ (Buber), nicht gerade darum, versuchen das subjektive nachzuempfinden, um das Gegenüber besser zu verstehen?

Die Sprache aber „repräsentiert“ die Gefühle nicht mehr
„unmittelbar“: Die Sprache „deutet“, sie macht sie deutlich,
deutbar und dadurch interaktiv wirksam. Daher kann Sprache ja
auch Gefühle (beim anderen) erzeugen. Die Angst davor,
Gefühle in Worte zu fassen, ist oft eine Angst davor, sie
dadurch eindeutig werden zu lassen - Angst davor,
„Farbe“ zu bekennen - Angst vor sich selbst, Angst vor der
dadurch „manifest“ werdenden (oder auch erzeugten) Realität,
und natürlich Angst vor den (interaktiven) Konsequenzen.
Jenachdem ist das dann selbstzerstörerische Flucht vor der
Realität, oder Lebensqualität verspielende Zimperlichkeit -
oder ggf. auch schlicht Unfairness, also eine Frage des
Charakters.

Das ist wohl wahr. Ich denke vieles, trau mich aber nicht, es auszusprechen. Nicht mal vor mir selbst…

Ein ganz anderes Problem (und Thema) ist es aber, wenn jemand
seine eigenen Gefühle nicht zu deuten …

… oder überhaupt wahrzunehmen imstande ist oder wenn jemand
nur kognitiv „registrieren“ kann, daß aktuell Gefühle „an
sich“ anliegen „würden“ …

„ich fühle nichts“

Ob das bei dir so ist, läßt sich von außen aus dem von dir
Gesagten nicht deutlich entnehmen.

Ich weiß nicht, ob ich es nicht kann, oder ob ich es NOCH nicht kann. Aber ich denke mal eher letzteres.

Je nachdem, was deine „psychologische Beratung“ mit der
Aufgabe mit dir anzielt, solltest du dir aber klarmachen, daß
du dich dieser Aufgabe nicht unterziehst, um dem Berater einen
Gefallen zu tun oder um ihm eine folgsame Schülerin zu
präsentieren. Im günstigsten Falle (den man nur hoffen kann!),
will er dich zu einer Arbeit an dir selbst und mit
dir selbst motivieren. Und dann macht es auch keinen Sinn,
wenn du - wie hier - um eine Art Hausaufgabenhilfe nachsuchst:
Du mußt das Problem alleine lösen!

Das weiß ich selbst. Und eine psychologische Beratung ist ja auch darauf ausgelegt, dass man auf der Suche nach seinem eigenen Weg unterstützt wird, was aber nicht heißen soll, dass der Berater nur „dasitzt und sich von seinem Klienten belabern lässt“ und ihn dann wieder verabschiedet. Es geht darum, dass man Anregungen bekommt und sich damit auseinandersetzt.
Es ist nur so, dass mich eigentlich noch nie jemand nach meinen Gefühlen gefragt hat, und wenn doch, dann kann ich mich daran nicht erinnern. Woher soll ich es können? Wenn man dir zum ersten mal in deinem Leben einen Fußball gibt und sagt, du sollst auf’s Tor schießen, weißt du dann, wie es geht und wirst du gleich treffen? Ich glaub nicht.

Ich habe mit dem Forumeintrag ja auch nicht erwartet, dass mir hier jemand die perfekte Lösung präsentiert. Das wär glaube ich auch ziemlich naiv. Ich wollte mir nur ein paar Anregungen holen. Und jetzt bin ich schon viel weiter als gestern…

Gruß Micky