Moin 
Wenn man es lediglich auf Wahlergebnisse beschränkt, dann
hättest du Unrecht. Wir erleben oft genug, dass kleine
Splitterparteien, die knapp über die 5% Hürde hinauskommen
(also eigentlich nur einen sehr geringen Prozentsatz der
deutschen Bevölkerung repräsentieren) durch Koalitionen
erheblichen Machteinfluss geltend machen können (auch
„Königsmacher“) genannt.
ja, dann hat das wahlsystem versagt. denn 5% dürften in einer
demokratie eben gar nicht über die anderen entscheiden!
Theoretisch ist das ja auch gar nicht möglich, praktisch jedoch schon, denn Parteien bestehen nunmal aus Menschen mit all ihren Schwächen. Wenn nun der kleine Koalitionspartner damit droht, zur zweitgrößten Partei zu wechseln, wenn gewisse Forderungen nicht erfüllt werden, dann kann das ein ganz schönes Druckmittel sein.
Theoretisch könnte man die ganze Gesellschaft ja auch mit den heheren Zielen der Demokratie beglücken und sämtliche Sicherungssysteme außer Acht lassen in dem Glauben, der Mensch an sich ist gut und wird das System schon nicht mißbrauchen. Das käme aber einem Aufsperren von Haustüren gleich, wenn niemand im Haus ist. Wäre ja schön, wenn jeder das Eigentum des anderen achtet, ist aber leider nicht so.
ich meinte es ist ideologie, im schutz von minderheiten das
wesensmerkmal der demokratie zu sehen. dem ist nicht so. es
ist nur dann ein wesensmerkmal, wenn dieser schutz für die
mehrheit des volkes einen wert darstellt.
Ich weiss nicht, wo du das her hast. Die „Erdenker“ der Demokratie wie Hobbes, Hume, Locke, Montesquieu etc. hatten anderes im Sinn.
Die Mehrheit kann zwar gewisse Dinge bestimmen, jedoch gelten diese Bestimmungen immer für alle und nicht nur für eine Minderheit, und diese Bestimmungen müssen mit der Verfassung konform sein.
Nach deiner Definition wäre jedoch selbst ein Staat wie der Irak eine Demokratie gewesen, weil die Mehrheit der Leute immer wieder Saddam Hussein gewählt hat. Demokratie reduziert sich mitnichten auf den Willen der Mehrheit.
Dann haben wir es aber nicht mehr mit Demokratien sondern mit
einer Diktatur der Mehrheit zutun (wer sagt, dass eine
Diktatur immer nur von einer Person oder einer Minderheit
ausgehen muss ?).
demokratie IST herrschaft der mehrheit.
Demokratie ist Herrschaft von Volksvertretern, die durch eine Mehrheit der zur Wahl gegangenen Bürger legitimiert wurde. Jedoch ist diese Herrschaft nicht uneingeschränkt. Sie wird eingeschränkt durch die Gesetze und die Verfassung. Daran sind auch die „Herrschenden“ gebunden. Zudem können diese Herrschenden auch schlicht und ergreifend wieder abgewählt werden. Dies ist in einer Diktatur unmöglich.
keine frage. dennoch sind auch die gesetze einer demokratie
„willkürlich“ im sinne von „beliebig“. wenn 51% der deutschen
der meinung sind, daß jeder ab sofort grüne schuhe tragen muß
oder in den knast wandert, ist es eine völlig demokatische
legitime entscheidung.
Nein, sind sie nicht (siehe auch mein Beispiel mit der politischen Mehrheit, die der politischen Minderheit das Wahlrecht entzieht). Gesetze müssen immer im Einklang mit der Verfassung stehen. Dies ist eine wichtige Einchränkung, das es grade die Verfassung ist, welche die Rechte des Einzelnen schützt. Innerhalb dieses Rahmes können Gesetze jedoch alle möglichen Inhalte annehmen, das ist schon richtig.
weil ein königreich nicht automatisch schlecht, ungerecht oder
diktatorisch sein muß.
Das hab ich auch nicht behauptet.
es ist nur ein völlig anderer ansatz.
sowohl eine demokratie als auch ein königkreich können in ein
unrechtssystem ausarten.
Das ist richtig. Aber ein Land, das keine Rechtsstaatlichkeit mehr hat, verdient auch den Namen Demokratie nicht mehr, da Rechtsstaatlichkeit ein wesentliches Merkmal von Demokratie ist.
Gruss
Marion