Hallo Morrighan,
tut mir leid wegen gestern. Aber jetzt.
Es ist mir völlig klar, daß man, wenn man etwas später in einen solchen Thread kommt, den Faden, den die anderen von Anfang an entwickelt haben, nicht mehr aufgreifen kann. Dazu ist so ein Brett dann schon zu unübersichtlich.
Ich finde das aber gar nicht so schlecht, weil ja dann auch ich wieder von vorne beginnen muß.
Ich bin sehr wohl der Meinung, dass sich das ICH verändern
kann. Kommt nur darauf an wie man das ICH definiert.
Hier stellst Du einen entscheidenden argumentativen Widerspruch dar, der auch die Grundlage aller Mißverständnisse ist und den jeder erst einmal macht. Man kann ja nicht auf der einen Seite sagen: ich bin der Meinung, daß sich „das ich“ verändet, und schon im nächsten Satz, implizit natürlich: ich weiß aber nicht, was „das ich“ ist!? Damit sagst Du ja nichts anderes, als daß Du Dir halt einmal eine Meinung aus allen möglichen anschaust und, ohne zu wissen, ob diese richtig ist, das Postulat für Dich selber aufstellst, daß sie richtig wäre (damit aber auch im Gegensatz zu allen übrigen diesbezüglichen Meinungen stünde). Das ist aber aus sachlich/logischer Sicht ein eigentlich sonderbarer Zustand.
Ich bin
mir nur nicht darüber klar worum es in diesem Thread derzeit
geht. Es wird fleißig über ICH und SELBST diskutiert und
niemand definiert die Begriffe.
Genau das ist es jetzt, warum ich ihn aufgemacht habe. Nämlich mit dem Hinweis, daß es offensichtlich jedem so geht, daß diesem „Wirrwarr“ an Begriffen aber ein allgemein begangener Denkfehler zu Grunde liegt, der einmal zur Diskussion gestellt werden muß. Und das gründet man am besten auf dem Hinweis, daß man einmal von diese Begriffen (also den bekannten Meinungen dazu) weg geht und mit der Selbsthinterfragung beginnt. Denn dann kann man die Denklogik begrifflich auf die Frage reduzieren: was bin ich?
Erst wenn man diese Frage so auf den eigentlichen Kern begrifflich reduziert, erkennt man nämlich, daß, in Bezug auf sich selber, eigentlich zwei Bereiche zu hinterfragen sind: ich und mein Körper. Das ist nicht ein und das selbe.
Und wenn man dann von dieser Denkgrundlage logisch weiter geht, kommt man zwingend zu dem, auf den eigenen Erfahrungen gegründeten Schluß, daß ich immer ich bin und bleibe. Ich verändere mich im Vergleich zu meinem Körper nie.
Der Fehler, der dann dabei immer gemacht wird, ist, daß jeder dann sagt: das stimmt ja nicht, als Kind habe ich das gemacht und jetzt mache ich das nicht mehr so, z.B., und dann daraus folgert: daher habe ich mich verändert. Und das ist falsch. Denn ich habe mich dadurch nicht verändert, das was ich verändert habe, war mein Verhalten. Und wer hat das sein Verhalten geändert: ich! Also ergibt dieser Erfahrungsbezug, den ja jeder gleich hat, logisch zwingen: ich bleibe immer ich. Mit der logischen Folgefrage: was bin daher ich? Betonung dabei immer auf: Was?
Und daraus ergibt sich dann weiter die logisch zwingende Schlußfolgerung: Wenn das also nachweislich so ist, dann muß es auch eine einzige, subjektiv auch als richtig erfaßbare Antwort auf diese Frage (was bin ich?) geben, und nicht hundert verschiedene.
Wenn ich von mir (also meinem ICH) spreche, meine ich meine
Erinnerungen, meine Gefühle, meine Wahrnehmungen oder (besser
die Interpretation dessen was rund um mich passiert), meine
Aktionen und Reaktionen. Wenn ich mich selbst bewußt
wahrnehme, dann muss ich sagen, dass ich mich in den letzten
10 Jahren stark verändert habe, so stark, dass ich während
dieses Prozesses selbst manchmal nicht wusste wer ich
eigentlich war.
Natürlich. Damit stellst Du fest, was Du alles an Wahrnehmungen und Erfahrungen machst. Mit den zwingenden zwei Fragen daraus, aus Deiner Sicht: Was ist das alles, was ich da sehe und erlebe? Und: Was bin ich, der ich das sehe und erlebe.
Ganz logisch.
Und weil diese eigentlich ja banale Logik eben aus allen Diskussionen ausgeblendet wird, habe ich sie hier zur Diskussion gestellt. Und ich war wirklich von den Socken, wie konstruktiv das angenommen wurde.
Soweit einmal eine Sammelantwort von mir auf Deine Fragen.
Ein stabiles ICH habe ich erst sein etwa 4 Jahren. (Eine
„kleine“ psychotische Depression hat mich ein paar Jährchen
fertiggemacht).
Also die Feststellung, dass sich das ICH nicht verändern kann
lasse ich nicht so einfach gelten.
Auch bin ich der Meinung dass das ICH etwas ist, das sich erst
ab dem etwa 3. Lebensjahr in einem Menschen bildet. Vorher hat
ein Kind keinen ICH-Begriff. Vielleicht ist das auch der Grund
warum die bewußte Erinnerung erst später (mit einem
vorhandenen ICH) beginnt?
Zum untenstehenden Beispiel einer Extremsituation: das ICH
(Gefühle, Wahrnehmungen) kann sich in einer solchen Situation
sehr wohl eine Ausflucht suchen (z. B. die Wahrnehmung
verweigern), auch wenn der Körper nicht fliehen kann, das kann
definitiv dazu führen, dass man „sich selbst verliert“. Z. B.
ab nun nichts mehr wahrnimmt (auch nicht mehr sich selbst)
oder bei bestimmten Auslösern die Wahrnehmung blockiert
(unbewußt), undundund. Und das ist definitiv eine Veränderung
des ICH.
Dafür gilt das Gleiche, wie gerade vorhin gesagt. Der Irrtum, daß man die Veränderung von Gegebenheiten (Wahrnehmung der Objekte) so interpretiert, daß man sich selber dabei verändern würde. Man bleibt immer der Gleiche. Voe zwanzig Jahren warst Du Du und in zwanzig Jahren wirst Du nach wie vor Du sein.
Also: was bist Du? Bitte nicht sagen: Ich bin ein Mensch. Denn ich habe nicht gefragt: als was bezeichnest Du Dich?
Grüße
Gert