@Michael
Welch eine Vergewaltigung der Logik!
Wieso müßte denn ein Arzt, um auf eine tendenziell oder eindeutig eher schädliche medikamentöse Gesamtbilanz zu verzichten, ausgerechnet auf den Homöopathie-Humbug umsteigen?
Also hier einige Basisdaten:
(Nicht so sehr für Dich. Ich nehme nicht an, daß auch nur ein einziges Wort davon Dich irgendwie in diesem oder in einem anderen Leben tatsächlich positiv wirksam erreichen könnte. Aber für einen möglichen aufgeschlossenen Leser. Soll 's auch bei Sich-ziemlich-im-Niedergang-befindlichen-Foren ja noch geben…)
Placebo-Effekt
Dieser Effekt ist die Basis des medizinischen Vorgehens seit wahrscheinlicherweise zumindest der mittleren Steinzeit, unter der Ägide der ersten (schamanistisch-magischen und tentativen, erfahrungssammelnden) Medizin. Ist seit den ersten Reflexionsansätzen bei Imhotep bis heute abend 21:41 insgesamt hunderttausendfach beschrieben und untersucht worden. Ohne Placebo-Effekt keine Medizin und kein Arzt, sondern nur Ingenieur-Klempnerei.
Verkürzt - basiert er auf:
Zumindest hinreichendem Grundvertrauen in die Hilfe-Strukturen;
starkem oder hinreichendem Vertrauen (oder analogem Vertrauensvorschuß) in den Arzt;
(leidensbedingter) hinreichender Mindest-Regression;
(bisherigen dem allen hinreichend nicht aversive Lebens-Erfahrungen;)
magisch-schamanistischem Rest-Anteil am ärztlichen Wirken überhaupt;
entsprechender hinreichender Arzt-„Ausstrahlung“;
hinreichender spezifischer subjektiver Offenheit des Patienten;
emotionalem Mindestgelingen der fraglichen (konkreten) Patient-Arzt-Begegnung.
Jede Medikation - ausnahmslos - basiert im sinnvollen Fall zunächst auf ihrem Placebo-Effekt.
Die jeweilige spezifische Wirkung kommt noch (im günstigen Fall) dazu.
Nocebo-Effekt
Dieser Effekt ist das süße, niedliche Schwesterchen des Placebo.
Er macht nicht nur gegebenenfalls den gesamten Placebo-Anteil eines Medikamentes zunichte, sondern kann noch weit darüber hinausgehen. Er kann im negativsten Fall sogar über die jeweilige spezifische Wirkung eines Medikamentes nach unten hinausgehen, so daß dann aufgrund des Nocebo die Gesamtbilanz eindeutig negativer als bei völlig ausgebliebener ärztlicher Intervention ausfällt.
Am überaus angenehm Possierlichsten gerät dann die Chose, wenn noch dazu objektive schädliche Medikament-Nebenwirkungen in die Bilanz hinzukommen dürfen. (Es gibt ja prinzipiell immer auch die Möglichkeit objektiver positiver Nebenwirkungen, deswegen ja der Hinweis auf „schädlich“.)
Es gibt - ausnahmslos - kein mögliches ärztliches Handeln auf Erden ohne ein restliches Minimal-Anteil an Nocebo-Effekt. (Das hat sogar mit der „condition humaine“ selber in ihrem Urkern zunächst einmal zu tun, geht also selbst über die Frage der Substanz der ärztlichen Kunst als solchen hinaus…!)
Es geht darum, jenen Nocebo-Anteil so winzig wie möglich zu lassen, ihn nicht auswuchern zu lassen. Alles soll gemieden werden, was ihm im Patienten Nahrung geben kann.
Wenn ohne eindeutigen und hinreichend vernünftigen Grund der Arzt dem Patienten ein Medikament mit schädlichen Nebenwirkungen (welcher Art, welchen möglichen Umfangs, welcher Ursache auch immer!) aufzwingen möchte, dort wo eine andere Intervention - bar von oder ärmer an jenen Neben-Wirkungen - den gewünschten Effekt mit hinreichender Wahrscheinlichkeit auch erreichen würde, begeht er schlichtweg einen Kunstfehler. So einfach ist das. Unabhängig davon, wie selten oder wie häufig, oder warum und wieso oder wo er realiter vorkommen möge. Die analytische Lage als solche bleibt klar.
Dort wo eine fast reine Placebo-Intervention völlig ausreichend für das sinnvoll Erstrebte und Zu-Erstrebende ist, hat in der Konsequenz der Arzt die verdammte Pflicht, es bei einer fast reinen Placebo-Handlung auch zu belassen, ohne aber dabei den Patienten anderweitig (z.B. psychisch; geistig; reifungsmäßig; ideologisch; esoterisch; weltanschauungsmäßig zu SCHÄDIGEN!)
Primum non nocere! Sapperlott nochmal!
Ärztliche Kunst, die Nocebos aufbaut, ist schlichtweg keine ärztliche Kunst.
Ein Großteil (nicht alle!) der Homöopathen baut beim Patienten bombenfeste, hoch-komplexe, überdauernde, umfassende, schreckliche Nocebos auf (…und aus!..); schadet ihm darüber hinaus im variablen Ausmaß in einer oder mehreren der unmittelbar hier oben aufgezählten Kategorien.
Demgegenüber fallen die Scharlatanerie- und Infantilität-Aspekte der reinen Heinemann-Lehre kaum ins Gewicht.
(Ein zusätzliches zentrales Sonderproblem ist dann dabei die eventuelle Vorenthaltung von eigentlich dringendst Notwendigen. Das kommt dann womöglich - und manchmal tatsächlich - noch hinzu.)
abifiz