hallo lego,
http://www.ns-archiv.de/verfolgung/antisemitismus/be…
super link, da hatten sie selber schwierigkeiten.
Aber das sagt doch was, wenn die Damen und Herren VolksgenossInnen sich da offensichtlich ein ganz eigenes Ressentimentgebräu geleistet haben, jenseits offensichtlich wesentlicher Bedürfnisse „antisemitischer Politikfähigkeit“.
Um es pointiert zu sagen: Ich finde, es wird zuviel von „antisemitischer Ehr“ ausgeteilt, wenn wir unsere Stereotypschrammler als „antisemitisch“ funktional geißeln, während sie mit ihrem Ressentimentgebräu beim professionellen Management antisemitischer Politik glatt durchfallen.
Gestern Abend hat übrigens in „Kulturzeit“ Prof. Jäger, der von der Duisburger Sprachstudie, beiläufig eingeräumt, dass es schon verdammt schwierig geworden sei, Israel noch zu kritisieren, ohne „antisemitisch“ hereinzufallen. (Er ist Kronzeuge, denn er darf in seinen Studien die „Reinfälle“ auflisten. Toller Job.)
Es ist schon eine Crux, wenn sich ein Wort nach etwas völlig
anderem anhört, als nach dem, was es ausdrücken soll.
was willst du machen?
herrn wilhelm marr in haft nehmen? siehe:
http://www.idgr.de/lexikon/stich/a/antisemitismus/an…
Der Begriff „Antisemitismus“ wurde 1879 von Wilhelm Marr
geprägt. In diesem Jahr erschien seine
Hetzschrift „Der Sieg des Judentums über das Germanentum“.
Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff
„Semitenfeindschaft“, diese Feindschaft richtet sich aber
ausschließlich gegen Juden.
Herr Marr hat einen Abriss zu so etwas wie einer reaktionären Utopie formuliert. Er hat einen reaktionären Soll-Glauben formuliert und diese Konstruktion war so schön peinlich, dass sie von der Gegenseite als spezifische zwangsläufige Rassismusausprägung zur Deckung von inländischen Ressentimentbedarfe autoritärer Charakterpathologen gekauft wurde. Das Ganze ist eine braun-rot bestrahlte Ideologiechimäre und damit überdurchschnittlich schillernd. Brauner Utopiebegriff (in populärer Anbiederung) und rotes Schrecketikett (in populärer Anwiderung, sozusagen).
jau, meinetwegen, ich frage dich, was willst du anders
antworten, wenn versucht wird, karsli als semit und moellemann
als chef der deutsch-arabischen freundschaft hinzustellen, mit
den worten, sie koennten ni antiblabla sein weil blabla
semitisch?
Also wenn man Äußerungen von Herrn Karsli geißeln möchte, dann müsste es Möglichkeiten geben, seine Auslassungen konkreter und „weniger spekulativ“ als mit dem Antisemitismusetikett zu charakterisieren. Wahrscheinlich argumentiert er ethnizistisch, so wie sich die Konfliktparteien in Kaukasus, Balkan und Heiligem Land halt beharken. Es gibt auch jüdische Würdenträger, die Araber zu Tieren erklären oder zu einem Irrtum Gottes. Da würde ich dann auch nicht unbedingt einen Spezialbegriff haben wollen, der mit der Natur der Opfer verbunden ist, sondern halt sagen, dass das eine ethnizistische Gehässigkeit mit religiöser Aufladung ist.
Die Entgrenzung des Antisemitismusbegriffs aus seinem geografischen Zusammenhang und sein hineinwabern lassen in die Konfliktparteien halte ich für ein absolut vermeidbares Moment von zusätzlicher Konfliktaufladung. Arafat wird womöglich noch zum Chef der Antisemiten erklärt und die Palästinenser für 99% ig antisemitisch verhetzt, weil sie das Klischee vom jüdischen Landaufkäufer so hartnäckig kolportieren. Dann würde nur noch rückwirkender Antisemitismus fehlen. Bis zu den Kanaanitern. Als die von Jahwe und seinem auserwählten Volk platt gemacht wurden, haben sie bestimmt antisemitisch geschimpft dazu.
Dann hätten wir die Ebene von „Das Leben des Brian“ von Monthy Pyton erreicht. War die Kanaanitische Befreiungsfront antisemitisch? War Jesus Antisemit? In Joh. 8.44 sagt er seinen „ungläubigen“ jüdischen Zuhörern, sie hätten den „Teufel zum Vater“ und der sei ein „Mörder von Anfang an“. Das sagt er der Herr Jesus, ohne den Herrn Marr gekannt zu haben. Doch Herr Karsli kannte Herrn Marr auch wahrscheinlich nicht, bzw. brauchte nicht Herrn Marr gar nicht gekannt zu haben, um seinen meinetwegen unzivilisierten Brast auf Israel zu kriegen.
Das Problem mit dem Antisemitismusbergriff ist doch: Er stigmatisiert Beanstandungen, auch wenn sie im Einzelfall (nahezu) unstrittig stimmen, indem er die Beanstandung „vorsorglich“ pauschaliert, anscheinend bevor ein Kritiker das tut, oder seine Zuhörer. Diese vorsorgliche Pauschalierung kolportiert ein Bild vom Kritiker oder seinem Publikum, wonach die das eigentlich heimlich so hören oder sagen wollten. Und diese subtile Unterstellungsmasche, die macht richtig das (blöde) böse „braune?!“ Blut, was hier zu pulsieren gewähnt wird.
noe richtig, nie sonderbehandlung, da gehe ich voll mit. wie
willst du die nichtjuedischen deutschen provinzialen
„mitbuerger“ (
sonst aufklaeren fuer eine sachliche
begrifflichkeit?
Das kommt drauf an, was denn nun zum Ausdruck gebracht werden soll, von Spießern, geborenen Semiten, FDP Wahlkämpfern oder Sonstwem. Es sollten sich am besten alle darauf einigen, dass „Antisemitismus“ das ist, was im Holokaust geendet hat, dass das heute niemand noch mal will und auch niemand irgendwo ernsthaft noch mal am Werk vermutet.
Es muss möglich sein, jede Politik als konfliktverschärfend, sympathievermindernd und hassschürend beanstanden zu können. Und zwar idealerweise unter Vermeidung von Bezugnahmen auf angenommene anonyme Publikumsurteile und stattdessen mit nachvollziehbaren Resonanzzeugnissen.
Kein Anblick israelischen Staatshandelns kann holokaustmässige Täterenergien beflügeln. Weil auch diese „Täterenergie“ nicht einfach fortdauert. Pantha rei, alles fliesst, nicht unbedingt zum besseren, aber es bleibt jedenfalls nicht gleich. Deswegen, finde ich, muss der (historisch gebundene) Antisemitismusbegriff aus der aktuellen Etikettierung raus, und zwar sowohl als „Entlarvung“ wie auch als „Unterstellung“.
Um mal ein anderes Beispiel zu nehmen. Viele Leute würden sich auch heute als „Antikommunisten“ bezeichnen. Was auch immer ihre Motive sein mögen, für keinen kann einfach heute die gleiche Bereitschaft zum atomaren Totrüsten unterstellt werden, wie sie im Kalten Krieg am Werk war. In der Linken gab es zu Tschenobyl-Zeiten, den Streit, ob man die Katastrophe thematisieren dürfe, oder nicht, weil das ja „Wasser auf die Mühlen des Antikommunismus“ sei. Ich glaube, dass diese Sorte Anti-Antikommunisten den Reformchancen im Ostblock endgültig den Rest gegeben haben. Wenn Tatsachen Pech haben, weil ihr Ausdruck den Tatbestand von „Feindrhetorik“ erfüllt, dann sieht es nicht gut aus um eine Sache.
Und um noch eins drauf zu setzen. Es sollte auch eine „respektable“ Möglichkeit geben, in „geläuterter Formen“ Gefühle von politisch klar unkorrektem „Unbehagen“ offenbaren zu dürfen. Vielen Menschen ist irgendwas nicht geheuer. Und wenn sie Pech haben, dann passt das gerade nicht in eine politisch korrekte Weltuntergangsphantasie und sie stehen dummerweise in irgendeinem reaktionären Abseits und grummeln da vor sich hin.
Ich bin, wie ich schon mal erwähnt habe Atheist. Ich kann allerdings (und will auch nicht) verhehlen, dass ich auf die Lektüre der beiden Testamente durchaus unterschiedlich emotional reagiere. Ich kann mir eine Religionsgemeinschaft, die die dauernde Vollstreckung von „Bannen“ (Genoziden) an ihren Nachbarvölkern mit (ihres) Gottes Hilfe unter detaillierter Beschreibung von Beuteaufteilung, kategorisiertem Ausmorden (M. Weber) Raub und Vergewaltigung auch beim besten Willen nicht als sonderlich friedensfreundlich vorstellen. Ich werde das mal vorsichtig auf dem Religionsbrett thematisieren.
Das dürfte dann wohl mit ein Hintergrund des „christlichen Antijudaismus“ sein, von dem ich als Atheist da auch wohl eine Schnitte übrigbehalten habe. Ich möchte mich darüber unterhalten können, außerhalb einer Atmosphäre, in der mich eine hegemoniale Verdächtigungsmechanik mit meinen Fragen als Propagandisten einer Holocaustideologie „überführt“.
Mal gucken, was draus wird.
Gruss,
Thomas