Hallo,
Wenn Du sonst keine schweren Verstöße begangen hast,
optimalerweise punktefrei und dazu noch einsichtig bist,
Genau, der ganze Artikel trieft nur so vor Einsichtigkeit.
Ich schrieb nicht, dass ich selbst einsichtig sein möchte.
ich bezog mich auf die offensichtliche Einsichtsfähigkeit des Fragestellers.
Gerade wer beruflich viel fährt, kennt üblicherweise sein
Fahrzeug, wartet es gut, kennt oft auch die Strecken und ist
erfahren.
Und kann sich deshalb aussuchen, welche Verkehrsregeln er befolgt und welche nicht. Super!
Solche Leute kommen auch in Gefahrensituationen mit ihrem Auto
zurecht und reagieren bei 20 Km/h über Limit noch besser, als
die Hausfrau mit ihrem 11 Jahre alten Twingo und verrosteten
Bremsscheiben unter Einhaltung der Begrenzung.
Es sind dann genau die unerfahrenen Fahrer mit ollen Möhren, die aus Unsicherheit ihre Karre vor den nächsten Baum fahren, nur weil hinter ihnen ein erfahrener Autofahrer mit seiner schweren Limousine mit acht Airbags auf 2 Meter dicht auffährt. Die Unsicherheit ist in so einem Fall sicherlich auch eine Unfallursache, eigentlich herbeigeführt wird eine derartige Situation durch einen Fahrer, der die Situation aus seiner Sicht im Griff hatte.
Prinzipiell unterscheidet sich dieser erfahrene Fahrer nicht allzu sehr von jungen Discoraser, der auch aus Unerfahrenheit seine Kiste in der Kurve nicht unter Kontrolle hat und sich um den nächsten Brückenpfeiler wickelt. Nur daß der eine aus eigener Unsicherheit sich selbst und andere in Gefahr bringt, der andere aber aus der Überzeugung heraus, die Lage unter Kontrolle zu haben. Dummerweise kann man nur sein eigenes Verhalten und das seines eigenen Fahrzeugs unter Kontrolle haben, nicht aber das der anderen Verkehrsteilnehmer.
Um wieder zum Ausgangsbeispiel zurückzukehren: Der erfahrene Fahrer kennt die Situation, wie sie nachts an der Schule darstellt. Der erfahrene Fußgänger weiß, daß dort 30 km/h Höchstgeschwindigkeit gelten. Beide zusammen bedeuten u.U. einen Verkehrstoten.
Im übrigen kann man bei 75 km/h statt 30 schon Vorsatz
unterstellen und dann wirds noch teurer und länger und
vielleicht ist noch eine MPU drin.
Das wäre dann noch die Höhe. Wobei man sich schon sehr dreist
benehmen muss, um das vor Gericht aufgebrummt zu bekommen.
Nein, festgestellter Vorsatz ist schnell mal Grund genug. Sollte der Fragesteller seine Ausführungen unverändert vor Gericht wiederholen, hat er gute Chancen auf eine MPU - und aus meiner Sicht ganz zu recht.
Noch kurz zu den Berufskraftfahrern: In den mir bekannten deutschen Großstädten sind es insbesondere die Taxifahrer, die durch überhöhte geschwindigkeit, Mißachtung von Vorfahrtsregeln und Lichtzeichen sowie unzureichender Beleuchtung unterwegs auffallen. Ich kann mich in den letzten 12 Monaten an mindestens drei Situationen auf dem Weg zur Arbeitsweg erinnern, in denen es nur meiner Reaktion zu verdanken war, daß ich nicht von einem dieser erfahrenen Berufskraftfahrer niedergemäht wurde, die jede Situation deutlich besser im Griff haben als die Freizeitfahrer. Übrigens verläuft mein Fußweg zur Arbeit zu mehr als 2/3 in Wohngebieten bzw. 30er-Zonen.
Es ist also aus meiner Sicht durchaus denkbar, daß Sicherheit im Straßenverkehr mit Überheblichkeit und Selbstüberschätzung verschwimmt. Wenn ich mal wochentags auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, sind es die Fahrer von klassischen Vertrieblerfahrzeugen, die sich auf überfüllten Autobahnen in Drängelei, Rechtsüberholen und aggressivem Verhalten üben. Insofern kann ich Deine Einschätzung nicht teilen. Sicherlich gibt es auch Außendienstmitarbeiter, die im Straßenverkehr nicht oder nur positiv auffallen. Sollte es so sein, ruinieren die restlichen deren Ruf.
Gruß,
Christian