Hallo Stefan!
Das Streben nach Gewinn ist nicht nur über den Abbau von
Arbeitsplätzen möglich.
Niemand baut Arbeitsplätze ab, die er zur Realisierung betriebliche Ziele braucht. Wenn ein Unternehmen aber Arbeitskräfte beschäftigt, deren Arbeitsergebnisse sich nicht verkaufen lassen, sitzt ein Stümper auf dem Chefsessel, denn er gefährdet das gesamte Unternehmen. Ein Bäckermeister, der mit seinen Gesellen mehr Brötchen produziert, als verkauft werden können, hat die Lohnkosten der Gesellen zu tragen und muß froh sein, wenn ihm jemand seine Produkte als Schweinefutter entsorgt.
Es gibt andere Möglichkeiten, als nur über den Preis zu verkaufen. Diese Möglichkeiten haben gleichzeitig den Vorzug, daß die Beschäftigten solcher Unternehmen nicht mehr ohne weiteres austauschbar sind. Es mag abgegriffen klingen, aber der Weg heißt Klasse statt Masse. Also Produkte, die sich über ihre besondere Qualität oder ihre besonderen Eigenschaften vom Wettbewerb abheben. Wer z. B. Schuhe produziert, muß sich am 50 €-Preisniveau von Handelsketten orientieren. Sonst kauft das Zeug keiner. Wer aber Maßschuhe produziert, kann 1.000 € pro Paar verlangen und braucht qualifizierte Mitarbeiter, statt angelernter Leute, die nur immer die gleichen Handgriffe beherrschen und deshalb beliebig austauschbar sind. Wer solchen Weg nicht gehen kann oder will, muß billiger sein als der Wettbewerb oder seinen Laden schließen.
Permanente Kostenminimierung und Profitmaximierung, dabei
immer die Konkurrenz unterbieten?
Siehe oben. Entweder billig oder mit Know-how für auskömmliche Preise die Besonderheit. Dabei muß jeder Unternehmer selbst wissen, welchen Weg er geht. Das gilt auch für abhängig Beschäftigte. Mit steigender Qualifikation fällt i. d. R. das Risiko, beliebig austauschbar zu sein. Das sollte sich aber seit einem halben Jahrhundert herumgesprochen haben.
Bleibt am Ende nur einer :übrig ? Gehört der dann nicht :längst schon der Hausbank ?
So weit kommt es nur selten, denn Banken verleihen Geld, haben aber nicht das geringste Interesse, sich als Unternehmer mit der Produktion von Schuhen oder Damenschlüpfern zu befassen. Sobald ein Kreditnehmer nicht genügend Gewinn erwirtschaftet, um Investitionen zu tätigen oder auch nur die laufenden Kosten zu decken, er also ausschließlich mit dem Geld der Bank wirtschaftet, dreht die Bank den Geldhahn zu.
Und das der Arbeitnehmer sein Gehalt pünktlich bekommen will?
Das ist das gute Recht jedes AN. Aber beantworte Dir selbst diese Frage: Würdest Du eine Arbeitskraft beschäftigen, Dich dafür mit allen möglichen Verwaltungsaufgaben und Abgaben beschäftigen, wenn am Monatsende kein Cent übrig ist, wenn also Dein Beschäftigter gerade so viel Geld einbringt, wie er kostet? Würdest Du dann nicht lieber faul am Strand liegen und Dir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, als letztlich nur Geld zu tauschen, ohne daß etwas übrig bleibt?
Die Aussicht auf Gewinn ist nun einmal die Triebfeder, sich ins Büro zu setzen, bei einzelnen Aufträgen ein hohes Risiko einzugehen, sich mit allen erdenklichen Widrigkeiten zu beschäftigen.
Oder frage Dich, ob Du Dich selbständig machen würdest, wenn vorhersehbar nicht mehr heraus kommt, als Du einsetzt.
Falls Du mit ja antwortest, hast Du augenblicklich einen Job auf Lebenszeit. Ich bezahle alle Auslagen und Du hast freie Kost und Logis! Ach, das willst Du womöglich nicht? Du willst noch Geld zur freien Verfügung? Und weshalb soll ein Unternehmer nichts zur freien Verfügung haben? Weshalb soll er für seine Tätigkeit keinen Unternehmerlohn erhalten? Sein Lohn ist der Gewinn, in Deiner Sprache Profit.
Gruß
Wolfgang