warum wohl fehlt es ihm?
Hi Sandra,
du schreibst, dein Sohn wehrt sich nicht.
Hast du dich gegen diese
Mein Sohn (6) ist, wie sagte mir mal ein Arzt: ein Weichei,
BrötchenübermWaschbeckenaufschneider, Schattenparkplatzsucher
grenzüberschreitende Charakterisierung des Arztes gewehrt?
In meinen Auge so natürlich nicht, er ist eben sehr sensibel.
Traut sich selten was alleine zu…ist weder frech, noch
spinnt er oder balgt mal grob rum wie andere Jungs in seinem
Alter…eben ein recht ruhiges liebes Kind.
Daß er mit diesem Verhalten ein liebes Kind ist, wirst du ihm ja dann wohl auch vermittelt haben. Kinder wollen spüren, wie jeder Erwachsene auch, daß sie geliebt werden. Sie werden sich also genau so verhalten, daß ihre Liebesobjekte sie als „lieb“ bewerten.
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…auf deutsch ist er das Opfer schlechthin, der wehrt
sich nicht - stellt sich hin und heult bloß.
Da blutet mein Mutterherz natürlich
Prüf dich mal selbst: Wie würdest du reagieren, wenn er sich wehren würde und mit einer blutigen Nase nach Hause käme. Würdest du ihm gratulieren? Würdest du ihm zeigen, daß du stolz auf ihn bist, WEIL er sich gewehrt hat? Oder würdest du ihn mit sowas wie „ach je! ah je! Was haben sie mit dir gemacht!“ beglücken? 
Muß dazu sagen das ich bestimmt nicht unschuldig bin. Gehöre
zu der Sorte „Übermutter“…möchte ihn am liebsten vor allem
beschützen was ihm schaden könnte, versuche stets alles perfekt zu machen.
Du sagt es selbst. Auch, wenn der Zusatz „nicht ganz“ nicht ganz stimmt: Denn übermäßige Fürsorge hat genau die gegenteilige Wirkung: Sie verunsichert den anderen. Bei Erwachsenen hätte das lediglich die Folge, daß das furchtbar auf den Keks geht. Kinder aber introjizieren diese Sorge und Ängstlichkeit: „Meine Mutter hätte jetzt Angst um mich, also habe auch ich Angst um mich (weil ich ja genauso sein muß, wie die Mutter mich ‚lieb‘ findet.“
Übermäßige Übermutterfürsorge drückt nämlich keineswegs wirkliche Sorge UM den anderen aus, sondern sie ist Ausdruck eigener Ängstlichkeit und Angst. Sie ist kein altruistisches Denken, sondern egozentrisches: „Tu nur ja nichts, wodurch ICH Angst um dich haben muß! Denn dann bist DU nicht ‚lieb‘!“
Mit anderen Worten: Er wird sich nur dann für „lieb“ halten, wenn er genau deine Änglichkeit auch selbst pflegt.
Wirkliche Sorge um den anderen richtet sich nach den Verhaltensfähigkeiten des anderen und nicht nach den eigenen. Sich zu wehren, selbst bedrohliche Situationen zu meistern, muß das Kind aber lernen. Das Problem bei euch ist aber jetzt, daß genau das nicht genügend geschah - weil der Kleine keine Chance dazu hatte.
Selbstsicherheit ist nicht das, was er lernen muß. Lernen muß er, sich zu wehren, wenn ern angegriffen oder gehänselt wird. Und lernen muß er, WIE er sich wehren kann. Lernt er das von dir? Und vor allem muß er lernen, daß er sich whren DARF, daß er auch dann „lieb“ ist, wenn er es tut - egal, wie die Nase hinterher aussieht.
Und dann komt die Selbstsicherheit von allein. Durch seine eigene Erfahrung - nicht durch deine.
Zudem ist er in der Grob- und Feinmotorik verzögert…aus
Angst er könnte vom Klettergerüst fallen, habe ich solch
Spielplätze vermieden. Anstatt ihn erst recht zu lassen - das
hab ich erst später begriffen.
Du sagst es: … du hast sie vermieden. Perfektes Eintrainieren von Unsicherheit.
Davon mal abgesehen gehen wir zur Therapie
„wir“? Geht ihr gemeinsam? Selbst dorthin?
Selbstvertrauen schon um einiges gebessert hat - in meinen
Augen aber noch nicht gut genug um das er es nächstes Jahr in
der Schule schafft nicht „geärgert“ zu werden.
Siehst du? Auch hier bist DU es, die ihm fehlendes Selbstvertrauen zuordnet, und DU bist ängstlich, daß er „geärgert“ wird. Sandra, du sagst „in meinen Augen noch nicht“ … aber dein Kind liest deine Gefühle doch gerade von deinen Augen ab!
Also sorg dafür, daß er in deinen Augen Mut und Selbstsicherheit sieht (notfalls mit Hilfe deines Therapeuten, würde mich wundern, wenn der das nicht ebenso sieht). Dein Sohn wird sich das ebenso einverleiben wie vormals deine Fürsorge und Ängstlichkeit.
Nur so ein Hinweis …
Gruß
Metapher