ich bin in etwa Deiner Ansicht und ich habe viele
Jahre dazu gebraucht, dorthin zu gelangen 
ich habe ein paar jahre im ausland dazu gebraucht. der groschen fiel irgendwann ziemlich heftig, als ich zurückkam und die menschen beobachtete - beim einkaufen, auf dem amt, beim arzt, mit nachbarn.
es sind immer wieder dieselben verhaltensmuster, die schon kindern eingebleut werden. stillsitzen, ja nicht auffallen („psst die leute gucken/schauen ja schon!“), regeln um jeden preis einhalten, auch dann, wenn durch einen bruch ein höheres gut erreicht werden könnte („rechtschaffenheit ist wichtiger als das ergebnis“), sinnlose verbote und vorschriften wohin das auge blickt, „vorauseilender gehorsam“ (leere taschen herzeigen, damit nicht mal der verdacht aufkommt, man hätte gestohlen), duckmäusertum gegenüber behörden und vorgesetzen, ja sogar von kunden gegenüber geschäftsinhabern. buckelmachen gegenüber allem was einen titel hat, zb. ärzte. busfahrpläne die aussehen wie eine dissertation in physik: auf die minute genaue abfahrtszeiten im fünfminutentakt, hunderte symbole für „ausnahmeregelungen“ - für jeden feiertag einen (wer zum teufel macht sich eigentlich die mühe SOWAS auszuhecken?? und wer bezahlt dafür?). usw usf. ich könnte romane schreiben über dinge, die mir plötzlich wie schuppen vor den augen fielen.
das ist die perfekte gesellschaft für eine reibungslose diktatur, in der so ziemlich alle schurkereien möglich sind, wenn sie nur angeordnet und moralisch legitimiert sind.
Die Deutschen „Mülltrennen“ nicht aus Begeisterung,
das halte ich für eine Fehleinschätzung, aber sie
würden es unter allen denkbaren Umständen zuver-
lässig tun.
und wenn es einer nicht tut, dann gibt es mindestens einen nachbarn, der dafür sorgt, daß das „gemeldet“ wird.
Dieses lässt sich auf das Thema übertragen. Ich
vermute, „Mülltrennen“ ist eine „Freudsche Leistung“
Deinerseits, denn darauf lief ja das „Threadthema“
seinerzeit als „offizielle Rationale“ gesehen hinaus.
ein derartig perfides wortspiel habe ich zwar nicht betreiben wollen, aber so traurig das auch ist, es stimmt was du sagst.
Erst dann kommen meiner Meinung nach psychische Elemente
der „Dehumanisierung“ des „Feindes“ ins Spiel.
das ist meiner meinung nach überhaupt keine erklärung für den einzigen fabriksmäßigen massenmord der weltgeschichte. „dehumanisierung des feindes“ führt zu kriegsverbrechen und anhäufung von kleinen vergehen zu einem massenmord. sie sind keinesfalls einzigartig, sondern im gegenteil eher begleiterscheinung JEDEN krieges seit anbeginn der menschheit. die reduzierung des holocaust auf einen völkermord und der direkte vergleich mit indianermorden und hutis und tutus ist meiner meinung nach eine verkürzung, die völlig an der sache vorbeigeht. es ist nicht die menge, die die besonderheit ausmacht, sondern die art und weise der vorgehensweise und die dahinterliegende mentalität. nicht barbarei und aufgestauter haß, der sich berserkerisch am „feind“ entlädt, sind das spezifikum des holocausts, sondern sauberes, rationales, auf ein moralisch legitimiertes ziel hingerichtetes, minutiös geplantes mülltrennen von menschen.
Es ist umgekehrt so, dass Deutsche, die sich
der „sinnlosen Grausamkeit“ auch gegen schon dehumanisierte
„Reichsfeinde“ „schuldig“ gemacht hatten, bestraft wurden,
sofern die Angelegenheit nicht „befohlen“ wurde.
das war mir ebenfalls bekannt.
gruß
dataf0x