Was Du nicht willst, das man Dir tu…
…das füg auch keinem andern zu.
Morgen zusammen.
Das sollte auch und gerade für Kinder gelten.
Ein paar Gedanken noch:
Stellt Euch vor, Euer Chef gibt euch einen „Klaps“ oder sogar eine Ohrfeige, weil ihr schon zum widerholten Male eine Aufgabe nicht erledigt habt. Was tut ihr? „Hilfe, Polizei und Gericht“ schreien? Ein Kind kann das nicht. Zur Not kündigen, auch das bleibt einem Kind in seiner Abhängigkeit verwehrt. „Das ist ja ganz was anderes“, werden einige sagen. Ja, das ist richtig: Ein Erwachsener kann sich wehren, ein Kind nicht. Es ist seinen Eltern auf Gedeih und Verderb völlig macht- und hilflos ausgeliefert.
In Deutschland dürfen selbst verurteilte Verbrecher nicht geschlagen werden. Auch wenn man Schläge mit dem Kind-Status begründet (anders verstehen sie es nicht, meinen manche), worauf gründet das? Auf der typischerweise mangelnden Reife und Einsicht bei Kindern? Auch Geisteskranke (auch da mangelt es ab und an an Reife und Einsicht) dürfen in Deutschland nicht geschlagen oder geklapst werden. Aber Kinder schon und zwar auch schon bei kleinen „Vergehen“? Wie zivilisiert ist das?
Es wird hier (wie fast immer) „nicht schlagen“ mit „alles durchgehen lassen“ gleichgesetzt. Es gibt da, wie ich meine einen Mittelweg. Er ist oft anstrengender und erfordert Differenzierung. Die meisten schlagen aus Hilflosigkeit, weil ihnen nichts anders einfällt, ich selber übrigens auch einmal. Das muss man sich einfach mal klar machen.
Was lernt das Kind aus Schlägen oder Klapsen? Nichts. Wenn es ein Fehlverhalten daraufhin einstellt, dann aus Angst vor dem nächsten Klaps aber kaum aus Einsicht. Wer Angst hat, hört auf zu denken. Oder es lernt: „Mama darf schlagen, aber ich nicht.“ Auch komisch, oder?
Natürlich sind Erziehende auch nur Menschen und ich kann es gut verstehen, dass einem wirklich mal die Hand ausrutscht. Fehler macht jeder und alle können daraus lernen, wenn die Einsicht da ist und das nicht am laufenden Band passiert. Aber ich halte Schläge als Erziehungsmittel einfach grundsätzlich für falsch und unbrauchbar.
Das Verbot, Kindern psychische und physische Gewalt anzutun steht ja nicht im Strafgesetzbuch, sondern im BGB. Man will nicht unbedingt die Polizei im Kinderzimmer, sondern das Gesetz soll dazu dienen, in der Gesellschaft ein Bewußtsein zu schaffen, die gesellschaftliche Norm zu ändern. In Skandinavien hat das übrigens wunderbar geklappt.
„Das war doch schon immer so, das hat uns auch nicht geschadet?“ Es ist noch gar nicht so lange her, da durften Lehrer noch Schüler schlagen und Ehemänner ihre Frauen, Meister ihr Lehrlinge. Will ganz im Ernst jemand diese Verhältnisse wieder zurück?
Die Grenze ist natürlich fließend. Manchmal wird jeder ein kleineres Kind mit körperlicher „Übermacht“ zu etwas bewegen, das es selbst nicht will. Manchmal auch einfach zu seinem Schutz, ein anderes Mal, weil es schnell gehen soll. Auch kleiner Erpressungs- und Bestechungsversuche sind sicher an der Tagesordnung. Aber ein wenig Nachdenken über die eigenen Erziehungsmethoden und eine ehrliche Bewertung von kritischen Situationen schadet sicher nicht.
Noch ein Widerspruch fällt mir immer wieder auf: Auf der einen Seite werden Kinder gehätschelt und umsorgt wie noch nie. Nichts ist zu teuer und zu gut für die lieben Kleinen, alle Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. Und auf der anderen Seite sind dann die Eltern der Meinung, ein Klaps würde nicht schaden. (Aber wehe das Nachbarkind prügelt sich mal mit dem eigenen Sprößling, das ist natürlich keinesfalls in Ordnung, da werden Gerichte bemüht und Familienfehden heraufbeschworen). Ich finde das widersprüchlich.
Schöne Grüße
kernig