Wo fängt Gewalt gegen Kinder an

Hi,

Warum ist eine Drohung mit Süßigkeiten - Entzug akzeptabel,
ein Gutenachtgeschichten – Entzug nicht? (mal bitte davon
abgesehen, dass der Entzug von Süßigkeiten einen höheren Sinn
hätte).

Weil eine Gute-Nacht-Geschichte mit schlechten Zähnen nun wirklich nichts zu tun hat.

Abgesehen davon sollte zumindest bei kleinen Kindern ein Zu-Bett-Geh-Ritual nicht wirklich verändert werden. Außerdem sollte ein Kind bei der letzten Aktivität eines Tages wissen, dass alles gut ist, die Eltern einen noch lieb haben, etc…

Das geht mir selbst als Erwachsenem noch so: Wenn ich mich mit meiner Frau zoffe, dann sollte abends ein gewisser Konsens gefunden sein, damit wir besser schlafen.

LG
Guido

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Was Du nicht willst, das man Dir tu…
…das füg auch keinem andern zu.

Morgen zusammen.

Das sollte auch und gerade für Kinder gelten.

Ein paar Gedanken noch:
Stellt Euch vor, Euer Chef gibt euch einen „Klaps“ oder sogar eine Ohrfeige, weil ihr schon zum widerholten Male eine Aufgabe nicht erledigt habt. Was tut ihr? „Hilfe, Polizei und Gericht“ schreien? Ein Kind kann das nicht. Zur Not kündigen, auch das bleibt einem Kind in seiner Abhängigkeit verwehrt. „Das ist ja ganz was anderes“, werden einige sagen. Ja, das ist richtig: Ein Erwachsener kann sich wehren, ein Kind nicht. Es ist seinen Eltern auf Gedeih und Verderb völlig macht- und hilflos ausgeliefert.

In Deutschland dürfen selbst verurteilte Verbrecher nicht geschlagen werden. Auch wenn man Schläge mit dem Kind-Status begründet (anders verstehen sie es nicht, meinen manche), worauf gründet das? Auf der typischerweise mangelnden Reife und Einsicht bei Kindern? Auch Geisteskranke (auch da mangelt es ab und an an Reife und Einsicht) dürfen in Deutschland nicht geschlagen oder geklapst werden. Aber Kinder schon und zwar auch schon bei kleinen „Vergehen“? Wie zivilisiert ist das?

Es wird hier (wie fast immer) „nicht schlagen“ mit „alles durchgehen lassen“ gleichgesetzt. Es gibt da, wie ich meine einen Mittelweg. Er ist oft anstrengender und erfordert Differenzierung. Die meisten schlagen aus Hilflosigkeit, weil ihnen nichts anders einfällt, ich selber übrigens auch einmal. Das muss man sich einfach mal klar machen.

Was lernt das Kind aus Schlägen oder Klapsen? Nichts. Wenn es ein Fehlverhalten daraufhin einstellt, dann aus Angst vor dem nächsten Klaps aber kaum aus Einsicht. Wer Angst hat, hört auf zu denken. Oder es lernt: „Mama darf schlagen, aber ich nicht.“ Auch komisch, oder?

Natürlich sind Erziehende auch nur Menschen und ich kann es gut verstehen, dass einem wirklich mal die Hand ausrutscht. Fehler macht jeder und alle können daraus lernen, wenn die Einsicht da ist und das nicht am laufenden Band passiert. Aber ich halte Schläge als Erziehungsmittel einfach grundsätzlich für falsch und unbrauchbar.

Das Verbot, Kindern psychische und physische Gewalt anzutun steht ja nicht im Strafgesetzbuch, sondern im BGB. Man will nicht unbedingt die Polizei im Kinderzimmer, sondern das Gesetz soll dazu dienen, in der Gesellschaft ein Bewußtsein zu schaffen, die gesellschaftliche Norm zu ändern. In Skandinavien hat das übrigens wunderbar geklappt.

„Das war doch schon immer so, das hat uns auch nicht geschadet?“ Es ist noch gar nicht so lange her, da durften Lehrer noch Schüler schlagen und Ehemänner ihre Frauen, Meister ihr Lehrlinge. Will ganz im Ernst jemand diese Verhältnisse wieder zurück?

Die Grenze ist natürlich fließend. Manchmal wird jeder ein kleineres Kind mit körperlicher „Übermacht“ zu etwas bewegen, das es selbst nicht will. Manchmal auch einfach zu seinem Schutz, ein anderes Mal, weil es schnell gehen soll. Auch kleiner Erpressungs- und Bestechungsversuche sind sicher an der Tagesordnung. Aber ein wenig Nachdenken über die eigenen Erziehungsmethoden und eine ehrliche Bewertung von kritischen Situationen schadet sicher nicht.

Noch ein Widerspruch fällt mir immer wieder auf: Auf der einen Seite werden Kinder gehätschelt und umsorgt wie noch nie. Nichts ist zu teuer und zu gut für die lieben Kleinen, alle Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. Und auf der anderen Seite sind dann die Eltern der Meinung, ein Klaps würde nicht schaden. (Aber wehe das Nachbarkind prügelt sich mal mit dem eigenen Sprößling, das ist natürlich keinesfalls in Ordnung, da werden Gerichte bemüht und Familienfehden heraufbeschworen). Ich finde das widersprüchlich.

Schöne Grüße
kernig

Fetter Stern!
…und das von mir *g*

Gruß
Guido

hallo kuddel,

Kind selbst erfahren lassen finde ich gut - bis zu einer gewissen Grenze. Ich finde: Kinder können NICHT immer wissen was das Beste für sie ist. sie MÜSSEN geleitet werden. Und wenn sie sich mehrfach daneben benehmen muss da auch gehandelt werden. Mit Selbsterfahrung kommt man nicht bei jedem Kind zum Ziel, darum sind sie Gott sei Dank alle unterschiedlich. Das hat noch nicht einmal was mit sozialer Herkunft zu tun, manche erfahren nunmal anders als Andere.

ich finde, ein klassischer fall von erziehung ist die
sankistengeschichte: wohl alle eltern haben das mal erlebt,
dass da mit sand geworfen wird und das geplaerre gross ist.
fatal wird es dann, wenn die eltern sich einmischen,
womoeglich sogar partei ergreifen.
wir haben diese sandkonflikte sehr locker laufen lassen und
den kids gesagt vorgelebt: wer NICHT mit sand wirft, dem geht
es besser!

Warum? Ist es besser von Sand überhäuft zu sein? Ihn in allen Ecken und Kanten der Windel mit sich rum zu tragen? Wenn mein Sohn mit Sand werfen würde gäbe es eine, maximal zwei Ermahnungen. Bei der Zweiten wird mit eingebunden, wenn das nochmal vorkommt, gehen wir nach Hause, dann war es das mit Sand spielen.
Wie es aussieht, wenn er beworfen wird und mit Werfen reagiert, kann ich nicht sagen, weiß ich nicht.

und das thema erledigte sich meist sehr schnell von allein:
die sandwerfer sassen einsam heulend in der ecke, weil die
beworfenen irgendwie ahnten, dass es mehr bringt, ohne diese
scheisser zu spielen.

ja klar, die Klugen und vorausschauenden Kinder…

als die kinder noch kleiner und fuer gute argumente nicht
zugaenglich waren, habe ich es tatsaechlich meist drauf
ankommen lassen, dass irgendwas erzieherisches passiert.

Was würde denn beim Anspucken passieren? Wenn eines deiner Kinder dich mal angespuckt hätte - wie hättest du reagiert? Und was, wenn deine Reaktion NICHT geholfen hätte? Was ist in dem Sinne erzieherisch?

wir hatten z.b. einen grossen garten, in dem wir oft abfaelle
verbrannten. feuer ist natuerlich was total spannendes fuer
kinder, und gibt es was schoeneres, als ein stoeckchen ins
feuer zu stecken, um es dann irgendwo hinzutragen?

jedenfalls als diese stoeckchentragerei ueberhand nahm, half
ich mit einem „brandbeschleuniger“ heftig nach, dass etwas
deutlich mehr in brand geriet, als geplant…

der schreck war so gross, dass dieses thema endgueltig
geklaert war…

da greifst du doch auch ein. In meinen Augen sogar recht heftig. Ein Kind lernt doch durch Umgang einzuschätzen. Sie haben die Stöckchen so weit getragen, wie sie sich sicher fühlten. Somit haben sie eingeschätzt, was sicher ist für sie und was zu heiß wird. Und du hast mit deiner Aktion ihr gelerntes mal eben so abgefackelt. Echt heldenhaft… *Sarkasmus darfst du behalten*

lg, Dany

Hallo Me,
wahrscheinlich hat Semjon recht und das was man als Außenstehender mitbekommt ist zu wenig um es in eine Statistik einfließen zu lassen. Wenn die Eltern mit sich selbst Probleme haben ist es anzunehmen, dass sie noch ruppiger mit dem quängelnden Nachwuchs umgehen und somit ihre Macken an die nächste Generation weitergeben.

Dennoch gibt es ja auch Menschen, die freundlich mit Kindern umgehen, klare Grenzen ziehen können und mit den Kindern sprechen. Das weiss ich von meinem Bekanntenkreis und vom Kindergarten - und diese Menschen tragen die Verantwortung die Augen offen zu halten um zu helfen wenn es gefordert wird.
Da liegen nur leider sehr viele Steine im Weg: oft möchte das Kind nicht, dass man mit dem Elternteil spricht (die Mutter/Vater wird wütend und lässt es später am Kind aus), ein großes Umfeld, was wegschaut, uneinsichtige Eltern und ein sehr junges Gesetz zum Schutz des Kindes.

Der Staat hielt sich lange aus dem Familienleben raus, was sich inzwischen auch geändert hat, dennoch möchte doch keiner der Beteiligten die Kinder von den Eltern trennen, wenn es sich nicht wirklich in Lebensgefahr befindet.
Um es ein wenig überspitzt zu formulieren: Jeder Depp kann ein Kind bekommen und bildet damit einen Teil der Gesellschaft. Wenn das Kind vernachlässigt oder Misshandelt wird, dann kommt es nur durch Zufall ans Licht. Gerade Kleinkinder (die ja eh schon dadurch gefährdet sind, weil sie Grenzen austesten und sich verbal nicht gut ausdrücken können) werden womöglich auch nicht einen Kindergarten besuchen und lernen kaum ein anderes Sozialverhalten als das ihrer Eltern bis sie in die Schule kommen.

Ich denke einen „Elternführerschein“ wäre eine Lösung, die mehr Transparenz in die Erziehung bringen könnte.

Viele Grüße

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Mahlzeit!

Ich denke einen „Elternführerschein“ wäre eine Lösung, die
mehr Transparenz in die Erziehung bringen könnte.

Reglementiertes Kinderkriegen abhängig vom Bildungsgrad?
Eine obere Instanz entscheidet wer Kinder bekommen darf und wer nicht.
Sieht man im Bildungssystem nicht deutlich das dieses Ganze jeder
hat die gleiche Chance eher eine Farce ist.

Nee ich denke das wäre das Letzte was helfen würde.

Gruß
Stefan

Hi Guido

Bei ständigen Schlägen als Wahl der "Erziehung"smethode
erfährt ein Kind doch zwangsweise AUCH psychische
Unterdrückung, oder?

Ja, klar, ganz ohne Zweifel. Ich wollte nur die nur-psychische Unterdrückung als auch problematisch daneben stellen.
Gruß,
Branden

Warum auch nicht ? Danke (owT)

Da sind wir uns schon einig, habe ich auch aus Deinen anderen Beiträgen gelesen. Freut mich.

Grüße
kernig

Elternführerschein
Hi!

Nee ich denke das wäre das Letzte was helfen würde.

Ich glaube, Du stellst Dir da was Falsches vor.
Weil ich es vor ein paar Wochen gesehen habe, als ich da war:
http://www.kreis-wesel.de/C1256B10006FEFF4/0/9E49AAF…

Wäre ein solcher Ansatz wirklich sooo undenkbar verkehrt?

LG
Guido

P.S. Sorry wegen des sehr harrschen „Anfahrens“ gestern

Hi!

Ja, klar, ganz ohne Zweifel. Ich wollte nur die nur-psychische
Unterdrückung als auch problematisch daneben stellen.

Eigentlich warst Du auch eher die falsche Adresse :smile:

Irgendwie lese ich hier zwischen den Zeilen ab und zu den Tenor:
„Lieber schlagen als psychischen Terror.“

Und das ist mir zu widersprüchlich…

LG
GUido

nur kurz dazu…

da greifst du doch auch ein. In meinen Augen sogar recht
heftig. Ein Kind lernt doch durch Umgang einzuschätzen. Sie
haben die Stöckchen so weit getragen, wie sie sich sicher
fühlten. Somit haben sie eingeschätzt, was sicher ist für sie
und was zu heiß wird. Und du hast mit deiner Aktion ihr
gelerntes mal eben so abgefackelt. Echt heldenhaft…
*Sarkasmus darfst du behalten*

hi,
das was mir nicht passte , war der umstand, dass sie ihre brennenden stoeckchen woanders hintrugen, um dort neue feuer zu entfachen. es ging also nicht um deren eigene sicherheit, sondern um sicherheit fuer andere objekte.
da ich dann aber mal „mithalf“, etwas abzufackeln, was ganz bestimmt nicht so gewollt war, hatte das einen enormen lerneffekt…

was hat das nun mit sarkasmus zu tun?

gruss
kuddel

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Hi,

ich denke nicht das es Eltern gibt die sich nach der allgemein vorherrschenden Meinung nicht schon mal „strafbar“ gemacht haben. Jeder noch so tolerante, ausgeschlafene und zurückhaltende Vater oder Mutter wurde schon mal von seinem Kind in eine Situation gebracht in der er/sie „ausrastet“ und oftmals sind es die Mütter denen mit zunehmender Verantwort / Zeit schneller die berühmte Hutschnur platzt.

Das scheint mir auch völlig normal zu sein, dass man als Eltern überreagiert und sich anschließend selbst in Frage stellt. Darum sollte man meiner Meinung nach auch mit dem erhobenen Zeigefinger vorsichtig umgehen. Meist bekommt man ja nur die Eskalation mit, nicht wie die vorangegangene Zeit (Stunden, Tag, Wochen) verlaufen sind.

Da hinkt meiner Meinung nach auch der Vergleich mit Erziehern im Kindergarten oder Lehrern in der Schule. Mein kleinster Sohn (4J.) hat dieser Tage im Kindergarten eins mit dem Stock auf den Kopf bekommen. Als er es mir das abends erzählte, frage ich als erstes was er getan hat aber die Antwort war viel erschreckender. Dieser Junge der geschlagen hat, macht das regelmäßig bei vielen Kindern und als „Strafe“ muss er –nur- ein Bild für das andere Kind malen und sich entschuldigen. Meine Frau meinte darauf, dass er im Kindergarten dafür bekannt ist und die Erzieher nicht mehr weiter wissen. Einzelgespräche etc, mit den Eltern helfen nicht da die diese Situation auch nicht in den Griff bekommen (wollen) und den Erziehern die Hände gebunden sind.

OK; das mag jetzt ein zugeben extremer Einzellfall sein aber meiner Meinung nach greifen hier die normalen Sanktionen gegen das Kind nicht und es scheint fast vorprogrammiert, dass dieses Kind auch in nächster Zeit zunehmend Probleme haben wird. Das darunter aber mein Kind auch leidet finde ich persönlich noch schlimmer. Mir ist das andere Kind „nahezu“ egal, dass meins Kind aber Schläge für nichts bekommt mag ich nicht hinnehmen und bin geneigt ihm zu sagen, er soll doch nächstes mal einfach mal zurückschlagen (pfeif was auf das Bild das er dann malen muss, das würde ich für ihn noch übernehmen). Aber nein, ich kann es nicht sagen und will es theoretisch auch nicht obwohl es vielleicht ein adäquates Mittel wäre dem anderen mal aufzuzeigen wo die Grenzen sind.

Genau um diese Grenzen geht es mir bei meiner ursprünglichen Frage auch, ich glaube so verschieden wie wir Mensche alle sind, sind auch die Situationen wie wir mit „Verfehlungen“ unserer Kinder umgehen, dass dabei leider viel zu viele überreagieren ist schade und sollte auch der gesellschaftliche Ansatz sein das Problem in den Griff zu bekommen.

Viele Grüße
Me

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Hallo Guido!

Nee ich denke das wäre das Letzte was helfen würde.

Ich glaube, Du stellst Dir da was Falsches vor.

Da hast du recht, zumindest was anderes wie den Link den du da hast.

Weil ich es vor ein paar Wochen gesehen habe, als ich da war:
http://www.kreis-wesel.de/C1256B10006FEFF4/0/9E49AAF…

Sowas finde ich immer gut aber bekanntermaßen gehen die, die es
nötig haben nicht hin.

Wäre ein solcher Ansatz wirklich sooo undenkbar verkehrt?

Verkehrt nicht aber ich glaube nicht das ein Zwang zu so einer
Veranstaltung irgend etwas ändern würde.
Ich erinnere mich noch an mein Zwang-Ehepaar-Seminar als ich
kirchlich heiraten wollte, wer dem Ganzen abgeneigend gegenüber
steht nimmt da nichts mit.

P.S. Sorry wegen des sehr harrschen „Anfahrens“ gestern

Kein Problem, da waren wir schon besser. :smile:

Gruß
Stefan

Hi!

Sowas finde ich immer gut aber bekanntermaßen gehen die, die
es
nötig haben nicht hin.

Was glaubst Du, wie ich geschaut habe, als uns als Anlaufstelle für einen Hochbegabungs-Test die Erzeihungsberatungsstelle genannt wurde?

WIR? DA hin?

Ich denke, man sollte da wirklich den Zugang vereinfachen - und zwar stark vereinfachen.

Und ich denke, dass man Eltern, bei denen „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“ auch einfach mal zu solchen Seminaren verdonnern sollte!

Ich erinnere mich noch an mein Zwang-Ehepaar-Seminar als ich
kirchlich heiraten wollte, wer dem Ganzen abgeneigend
gegenüber
steht nimmt da nichts mit.

Ach ja, die Katholen *fg*

Ich glaube, ein grundlegendes Problem ist - wie so oft - fehlende „Aufklärung“ und Unterstützung.
Wären solche Dinge selbsverständlich, würde kein hahn danach krähen.

In einigen skandinavischen Ländern ist es „normal“, dass das Jugendamt nach der Geburt die Eltern zu Hause besucht und berät/unterstützt.
Wenn HIER das Thema Jugendamt angesprochen wird, ist direkt Holland in Not…

LG
Guido

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find ich SUPER!!
Hi Guido,

Ich glaube, ein grundlegendes Problem ist - wie so oft -
fehlende „Aufklärung“ und Unterstützung.
Wären solche Dinge selbsverständlich, würde kein hahn danach
krähen.

Ich find es schade, dass dieser Aussage von dir in einem so tiefen Seitenast des Threads steht!!! Das trifft den Nagel meiner Meinung nach so sehr auf den Kopf, dass ich es schade finde, dass ich nicht mehr *chen vergeben kann!!

Viele Grüße
/silvl

Hallo,

Reglementiertes Kinderkriegen abhängig vom Bildungsgrad?
Eine obere Instanz entscheidet wer Kinder bekommen darf und
wer nicht.
Sieht man im Bildungssystem nicht deutlich das dieses Ganze
jeder
hat die gleiche Chance eher eine Farce ist.

Ich habe weder vom Reglementieren oder sonst irgendwelche Konsequenzen gesprochen. In die Elternschule sollten alle gehen, die ein Kind bekommen haben. Manche „bestehen“/„verstehen“ schneller als andere, die dann eben wiederholen müssten. Das hätte den Vorteil, dass man konkrete Antworten auf Erziehungsfragen bekommt und einen sozialen Austausch mit anderen Eltern hat, die vielleicht einen anderen Erziehungsstil haben als man selbst. Ist die „Schule“ abgeschlossen, kann man in schwierigen Situationen immer nachfragen und hat eine Anlaufstelle zu der man Vertrauen hat. Die Elternschule ist ja nichts Neues, nur dass es eben freiwillig ist und meist von den Eltern besucht werden, die eh aufgeschlossen und motiviert sind etwas zu lernen. Die schwierigen Fälle bleiben daheim und kloppen weiter.

Nee ich denke das wäre das Letzte was helfen würde.

Und was wäre dann das Erste?

Viele Grüße

Hallo MeToo,

der Begriff Gewalt deckt nicht das ab, was Erwachsene mit ihrer „Allmacht“ Kindern antun können, wenn sie sie niederzumachen wollen. Es gehört nicht viel dazu einen kleinen Menschen zu erniedrigen, da reichen schon die täglichen abwertenden Bemerkungen oder pausenloses Reglementieren. Dabei stellt sich eher die Frage, warum ein erwachsener Mensch so handelt, und nicht mit welcher Absicht.

Meiner Ansicht nach kommt Erziehung ohne Sanktionen nicht aus, nämlich das sind die formulierten Grenzpfeiler eines Bewegungsfreiraums. Sanktionen kann man als Elternteil normalerweise ankündigen und begründen, wenn eine erzieherische Absicht und keine Willkür dahinter steckt. „2 Nutellabrote sind genug, weil… Entweder ißt Du etwas anderes, wenn Du Hunger hast, oder gar nichts mehr…“
Alles in allem sollte ein Kind immer spüren, dass es gewertschätzt wird. Wir Eltern machen Fehler, weil es zwischendurch Phasen der Hilflosigkeit gibt, was aber eben die Ausnahme ist und sein sollte. Das können Kinder recht gut einordnen, so schnell geht ein Vertrauensverhältnis nicht verloren.

Hinter Gewalt gegen Kindern steckt meiner Ansicht nach der Versuch die eigene Unsicherheit auszugleichen mit dem Deckmantel namens „Erziehung“. Aber entweder man ist überlegen oder besser souverrän oder nicht, denn grundsätzlich ist bei der Erziehung Gewaltanwendung überflüssig.
findet
Reni

Hallo Guido,

Was glaubst Du, wie ich geschaut habe, als uns als
Anlaufstelle für einen Hochbegabungs-Test die
Erzeihungsberatungsstelle genannt wurde?

WIR? DA hin?

Ich denke, man sollte da wirklich den Zugang vereinfachen -
und zwar stark vereinfachen.

eher muss unbedingt das Stigma vom Thema „Erziehungsberatung“ genommen werden.

Und ich denke, dass man Eltern, bei denen „das Kind schon in
den Brunnen gefallen ist“ auch einfach mal zu solchen
Seminaren verdonnern sollte!

Das finde ich wiederum zwar in der Sache gut aber nicht in der Form. Instabile Eltern bringen es fertig, sich an ihrem Kind zu „rächen“, weil sie DA hin gehen mussten. Ist ja fast wie MPU für Führerschein-Nichtmehr-Inhaber.

Wären solche Dinge selbsverständlich, würde kein hahn danach
krähen.

Eben, deshalb sollte Erziehungsberatung entstigmatisiert werden.

In einigen skandinavischen Ländern ist es „normal“, dass das
Jugendamt nach der Geburt die Eltern zu Hause besucht und
berät/unterstützt.
Wenn HIER das Thema Jugendamt angesprochen wird, ist direkt
Holland in Not…

Glücklicherweise auch nicht bei allen. Und leider liegt das aber auch manchmal an den Jugendämtern.

Gruß, Karin

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Hi!

eher muss unbedingt das Stigma vom Thema „Erziehungsberatung“
genommen werden.

Das meine ich mit „Zugang“ - blöde ausgedrückt, stimmt.

Das finde ich wiederum zwar in der Sache gut aber nicht in der
Form. Instabile Eltern bringen es fertig, sich an ihrem Kind
zu „rächen“, weil sie DA hin gehen mussten. Ist ja fast wie
MPU für Führerschein-Nichtmehr-Inhaber.

Was bei einer „Normalität“ aber dann kein Thema wäre - zumindest wäre es ein kelineres Thema.

Glücklicherweise auch nicht bei allen. Und leider liegt das
aber auch manchmal an den Jugendämtern.

Mein früherer Dozent für Personalführung sprach immer von der 3%-Quote.
3% aller Menschen sind Arschlöcher - damit sollte man sich einfach mal abfinden.

Ich hatte in der Vergangenheit mit verschiedenen Jugendämtern zu tun (irgendwas muss man ja in seiner Arbeitslosigkeit machen) - nicht zuletzt, weil wir als Jugendliche mal heftige Unterstützung im „Kampf“ gegen ein paar Anwohner unseres Treffpunktes benötigten.

Ein nicht seltener Tenor: Wenn wirklich mal jemand das Jugendamt alarmiert, muss schon was schlimmes vorgefallen sein!
Umdenken der Gesellschaft ist da wohl gefragt…

LG
Guido

Hallo,

ich schildere kurz eine Frau, welche ihre Kinder in den dreißiger und vierziger Jahren erzogen hat. Ihrer konservativen Geisteshaltung entsprechend waren für sie gelegentliche Ohrfeigen oder Hiebe mit dem Kochlöffel ein selbstverständliches Erziehungsmittel, das in begründeten Fällen angewendet wurde. Immerhin berechenbar. Sie wandte auch psychische Gewalt an, durch Ausschimpfen und durch eisiges Schweigen. Nicht für allzu lange, es war nach einiger Zeit möglich, durch Demutsgesten ein Ende dieses Schweigens zu erreichen. Diese Frau übte moralischen Druck aus in Form von Appellen an das schlechte Gewissen. Ihre Haltung war es generell, kindliche Bedürfnisse nicht allzu ernst zu nehmen.

Ihre Tochter hat natürlich unter all dem gelitten und diese offensichtlichen Formen von elterlicher Gewalt abgelehnt. Sie verfügte aber nicht über die Ressourcen, um selbst ohne Gewalt auszukommen. Die war dann subtiler, sanfter, sie kehrte die eigene Verletzlichkeit heraus: „Da bin ich aber traurig, wenn…“. Da sie in manchen Situationen hilflos war, gab es mitunter auch von ihr Ohrfeigen.

Offen oder subtil: beides ist fraglos schlimm. Die subtile Art verbietet dem Kind die eigene Aggressivität vielleicht noch mehr und wirkt daher stärker kastrierend.

Um der Ausgangsfrage näher zu kommen: ich sehe es als Gewalt an, wenn man ein Kind dazu nötigt, sich mit Verhaltensweisen an das Leben in der Familie anzupassen, die für dieses Kind außerhalb der Familie und später nachteilig sind. Gleichgültig, ob dies durch physische oder psychische Gewalt geschieht, ob offen erkennbar oder subtil. Und ich glaube, die von anderen hier angesprochenen „notwendigen Sanktionen“ lassen sich davon abgrenzen, indem diese - wenn sie wirklich notwendig sind - plausibel erklärbar sein müssen. Denn was zumindest im nachhinein erklärt und verständlich gemacht wurde, ist damit entschärft (glaube ich zumindest).

Grüße,

I.