Hallo lehitraot!
bekenntnisorientiert erkennt man daran, dass zum beispiel
bestimmten personen bedeutungen zugemessen werden, die
innerhalb einer sinngemeinschaft auftauchen, aber
objektiv nicht existieren, sobald man versucht, seinen
glauben von aussen zu betrachten.
Objektiv existieren sowohl diese Personen und auch die Ihnen zugeschriebene Sinnstiftung. Es ist also, ich denke da sind wir uns einig, prinzipiell nicht falsch oder gar unwissenschaftlich, sich damit zu beschäftigen.
zum beispiel „der prophet mohammed“, „das auserwaehlte volk“
oder der „heiland jesus“.
Das sind Glaubensbekenntnisse. Vielleicht kann ich Dich ja doch noch davon überzeugen, daß wissenschaftliche Theologie sich zwar mit Glaubensbekenntnissen, ihrer Entstehung und Geschichte beschäftigt, die aber mit wissenschaftlicher Methodik (d.h. kommunizierbar mit z.B. Philosophen, Historikern etc.) tut. Der wissenschaftliche Theologe sagt nicht: Ich will jetzt beweisen, daß Jesus der Heiland ist, sondern, ich überprüfen, wie es zu dieser Überzeugung in dieser spezifischen Ausformung gekommen ist.
Wenn eine Fakultät im Bereich der Dogmatik bekenntnisorientiert ist, dann kannst Du das erst einmal mit der Philosophie vergleichen, wo es auch diese oder jene Schule gibt. Die entsprechenden Texte werden wohl intensiver behandelt, die Professoren sind entsprechende Fachleute.
es ist unwissenschaftlich zu sagen: „mohammed war ein
prophet“, aber es ist wissenschaftlich zu sagen: „die muslime
gehen davon aus, dass mohammed ein prophet war.“ der erste
satz ist innerhalb eines glaubensbekenntnisses gueltig, der
zweite ist wahr.
Es kommt natürlich darauf an, wie man das Wort „Prophet“ gebraucht, durchaus schreiben auch Historiker so über Mohammed, weil sie dann Prophet als terminus technicus für ein bestimmtes, definiertes Phänomen benutzen. Prinzipiell sind wir weiter einer Meinung, die UNfähigkeit, aus lauter Sorge um Glaubenüberzeugungen, sich seiner durchaus daraus geprägten Voraussetzungen bewußt zu sein und sie von der wissenschaftlichen Arbeit zu trennen, produziert Unwissenschaftlichkeit.
ja, aber keiner ging davon aus, dass kant a) auserwaehlt b)
heilig oder c) auferstanden war. (sorry fuer diese polemik)
Wieso polemik? Historisches Arbeiten am NT ist auch nicht möglich, wenn ich derartiges als Ergebnis über Jesus voraussetze. Allerdings, wenn ich mit Kant beschäftige, so bin ich immerhin wohl der Ansicht, daß dies irgendwie relevant sein könnte…
es war nicht der vokabelteil. durch diese uebersetzung wird
gezielt ein gefuehl geweckt, aber das geht hier wirklich zu
weit.
Das Wecken von Gefühlen ist wahrscheinlich nicht ganz vermeidbar. Wichtig ist ja gerade hier der wissenschaftliche Dialog. Z.B. benutzt Paulus selbst immer das griechische Wort, das wir nur mit „Gesetz“ übersetzen können, jedoch darf man schon ihm nicht ein zu negatives Verständnis davon unterstellen, wie es in der Exegese und Verkündigung lange getan wurde.
noch was zu dieser grab-these (das habe ich dummerweise
geloescht). daran sieht man auch deutlich den unterschied
zwischen theologie und religionswissenschaft. fuer einen
religionswissenschafter ist es voellig schnurzpiepegal, was
nun tatsaechlich mit diesem grab war. er untersucht, wie
christen mit den texten ueber das grab umgehen und was
sie daraus ableiten.
Der Neutestamentler untersucht, was die Texte über das Grab aussagen, er fragt nach dem historischen Hintergrund, mit welcher Intention die Evangelisten darüber geschrieben haben.
Ein Student, der Examen macht, auch bei den Landeskirchen, wird, will er es bestehen, auf die historische Frage nach dem leeren Grab antworten müssen, daß man diese Frage historisch nicht beantworten kann bzw. eher verneinen muß. Meine eher empirischen als naturwissenschadftlichen Erfahrungen sprechen ebenfalls dagegen.
War das Grab leer? Meiner wissenschaftlichen Überzeugung nach ja. Allerdings war es das Grab, was man sich um 80 nach gezeigt hat. Ich weiß nicht, ob es das Grab war, in dem man den Leichnam gelegt hat, ob es überhaupt ein Grab gab etc. Die Frage nach dem leeren Grab ist auch historisch absolut sekundär, die Quellen sind einfach zu jung.
Einem historisch arbeitenden Theologen ist es, wie dem Religionswissenschaftler, ebenfalls völlig egal, ob das Grab leer oder voll war. Der Theologe, der ein „volles Grab“ braucht, um seinen Glauben zu beweisen, hat nicht verstanden, was historisches Arbeiten ist, wa Glaube ist und theologisch (also im engeren Sinne) halte ich ihn für unfähig.
Theologisch ist das Grab noch irrelevanter als historisch. Der Grund ist einfach: Ist Jesus (inkl. Leib, wie es die Evangelien auch beschreiben) auferstanden, so ist dies eine Tat Gottes. Historisch kann ich aber nur nach den Taten von Menschen fragen. Selbst wenn ich historisch behaupten könnte (wofür ich keine Beweise habe), daß die Jünger den Leichnam gestohlen haben, so werde ich damit ein Glaubensbekenntnis, daß Gott diesen Menschen auferweckt hat, kaum widerlegen können. Er wird sich kaum gehindert haben lassen…
Ähnlich ist es auch mit Jesus. Die Frage nach dem historischen Jesus ist unabhängig von der, ob er nun Christus ist oder nicht. Es ist aber durchaus nicht unwichtig, die Aussagen späterer Menschen, die davon ausgingen, zu untersuchen. Theologie an der UNi heißt differenzieren: Arbeite ich historisch oder dogmatisch, versuche ich Antworten auf Fragen der Ethik oder der Pädagogik zu finden. Die Theologie bedient sich dabei immer überprüfbarer Methoden, denn anders könnten wir ja schon untereinander nicht kommunizieren. Wenn ich dogmatisch argumentiere, muß ich meine Axiome bennen. Wenn ein Philosoph sich mit mir unterhält, ist es ja auch hilfreich, wenn er mir seine philosophischen Axiome nennt und ich sie nicht mühsam herausfinden muß.
Jetzt noch zu jenem Professor, Gerd Lüdemann.
Lüdemann hat sein Jesusbuch geschrieben und die These aufgestellt, das Grab sei leer gewesen. So gut, so alt: Seit Reimarus (1694-1768) wird über das Grab diskutiert, seit Strauß (1808-1874) und der liberalen Theologie ist die volle-Grab-These auch in der Theologie „normal“ (was nicht heißt, daß es nicht auch Gegenmeinungen gab).
Lüdemann versucht in einem weiteren Schritt, zu erklären, wie es denn nun zum Osterglauben war. Kurz zusammengefaßt: Petrus hatte ein schlechtes Gewissen, weil er seinen Herrn verraten hatte und darauf eine „subjektive Vision“, die psychologisch erklärbar sei, und daher sei er von Jesu Auferstehung ausgegangen. Paulus hatte ein schlechtes Gewissen mit ähnlicher reaktion, weil er seine Härte gegen die Christen bereute.
Mal abgesehen, daß das alles nicht neu ist, ist es auch nicht besonders wissenschaftlich. Es ist fragwürdig, ob moderne Psychologie antike Menschen erklären kann. Petrus, ein Jude, hatte in seiner Religion so wenig Anhalt, seine Trauer anders zu verarbeiten, sondern mußte sich eine Psychose zu legen? Lüdemanns These beruht auf der Geschichte vom Hahn, der dreimal kräht, die außer ihm auch alle für unhistorisch halten.
Während das Buch nun in der Öffentlichkeit interessiert aufgenommen wurde (Das Grab ist voll - der Glaube leer), war es in der Wissenschaft weniger erfolgreich. Einige THeologen haben sich leider nicht entblödet, unqualifizierte Kommentare abzugeben. Es scheint mir auch, daß man kirchlicherseits nicht besonders nett mit Herrn Lüdemann umgegangen ist.
Mein Problem ist, daß er eigentlich getan hat, was Du beständig Theologen vorwirfst: Er hat seine Ergebnisse als Widerlegung des Glauben aufgefaßt, den wichtigen Unterschied nicht begriffen, sondern seie Fragestellung war tatsächlich die: kann ich meinen Glauben beweisen? So kann man nicht wissenschaftlich arbeiten. Lüdemann hat dann noch einen offenen Brief an Jesus geschrieben, daß er nun nicht mehr an ihn glauben könne.
Daraufhin ist die Landeskirche, bei der er prüft, auf die Barrikaden gegangen. Meiner Ansicht nach ein Fehler, denn auch, wenn Lüdemann hier eine eigenartige Sicht von Theologie und ihren Sinn hat, halte ich persönlich ihn für einen ansonsten sehr gut arbeitenden Neutestamentler. Die Landeskirche (Hannover) wollte nun nicht mehr, daß er im 1. Teologischen Examen der Kirche prüft. Das tut er auch nicht mehr, sitzt aber immer noch auf seinen Lehrstuhl, der allerdings umbenannt wurde. Während er für weite kirchliche Kreise nun ein rotes Tuch ist, wird er in der Wissenschaft nach wie vor ernst genommen - außer er schreibt einen Brief an Jesus.
So, ich denke, jetzt ist es auch lang genug geworden:wink:
Grüße,
Taju