Geschichte, Theologie und Epikur
hi lehi
und welche aussagen der theologie wurden falsifiziert?
koenntest du mir da ein beispiel geben?
Aussagen der Theologie im Wandel der Zeit *grins*, Falsifizierung i.S. von Verwerfung von früher für richtig gehaltenen Fakten: z.B. das Thema Jesu Familie wird heute anders gesehen, das Alter der Evangelien, de Autorenschaft der Evangelien, einige Passagen wurden als jüngeren Datums erkannt uswusf…muss ich da wirklich fortfahren?
ich weiß nicht genau, was du studierst (Philosophie?), kann nur für meine theologischen und historischen Studien sprechen und die haben sich von ihren wissenschaftlichen Methoden in Nichts von denen anderer Geiwis unterschieden, nein, das stimmt nicht ganz, sie waren oft wesentlich präziser und „wissenschaftlicher“ als die z.B. in der Politischen Wissenschaft.
Thesen werden aufgestellt und verworfen. Da der Großteil des Untersuchungsgegenstandes die Wirkungsgeschichte ist und nicht das Geschehen als solches ist es für die Theologische Wissenschaft sogar geradezu unerheblich für das Wissenschaftliche Forschen ob es Gott gibt oder nicht!
(womit sehr viele StudentInnen (*grins*) Probleme haben). Das du offensichtlich nicht bereit bist, mir und anderen das abzunehmen, steht ja auf einem anderen Papier.
Beispiel: ich untersuche die Salbungsgeschichte von Bethanien. ich vergleiche die unterschiedlichen Überlieferungen mit textkritischen und anderen wissenschaftlichen Methoden. Ich kann so Hypothesen aufstellen, welche der Überlieferungen wahrscheinlich die älteste ist und weitere Thesen daraus ableiten, die sich mit der Redaktionsgeschichte ( wer könnte von wem abgeschrieben haben, wo taucht die Geschichte zuerst auf, warum etcpp) beschäftigen.
Btw…ich habe auch alte Geschichte studiert. Die Quellenlage über die meisten Philosophen und historischen Gestalten ist meist wesentlich magerer als z.B. über Jesus - und wie das Beispiel Epikur hervorragend zeigt (§B-D) gab es auch hier eine äußerst tendenziöse Überlieferungsgeschichte, bei der es sich lohnt, mit wissenschaftlichen Methoden herauszufinden, was Urtext/Urphilosophie/eigentliche Geschichte ist und was Propaganda. Auch bei den Philosophen (siehe z.B. Platon) haben oft Schüler philosophische Traktate und Briefe im Namen ihrer Lehrer weitergeführt. Da wurde fleissig gefälscht und der erste halbwegs glaubwürdige Historiker, Tacitus, hat ja auch einige Gschichtln erzählt…auf jedenfall lohnt sich das Bohren.
[Das du es nicht für lohnenswert hälst, ist dabei völlig irrelevant. Was meinst du, wie ich mir bei manchen BWLer den Mund fusselig rede, weil sie nicht einsehen, wofür es noch einen Lehrstuhl für ägyptische Papyrologie bei den Altertumswissenschaftlern gibt oder einen Lehrstuhl für Numismatik. Nur weil ignorante oder desinteressierte Menschen bestimmte Dinge nicht verstehen oder für uninteressant halten, muss das ja nicht auch wirklich irrelevant sein. (womit ich natürlich nicht sage, dass du ignorant bist)]
Auf jedenfall: Wenn man hier versucht, verschiedene Überlieferungstränge mit wissenschaftlichen Methode auseinanderzuklabustern, ist das nichts anderes, als was Theologen mit ihren Quellen von Interesse machen. Und wenn ich als Epikureerin stoische Texte lese, heißt das ja nicht, dass ich nicht mehr fähig bin sie wissenschaftlich zu beurteilen. Das gilt für die Theologen genauso ( und Theologinnen:smile:)
nein sicher nicht. aber spannender waers, wenn man die leute
mischen wuerde. dann haette jeder gelegenheit, einen wirklich
objektiven blick auf seinen glauben zu erlangen.
darum gehts aber gar nicht. Du hast immer noch nicht die grundsätzlichen Inhalte der wissenschaftlichen Theologie verstanden, und das obwohl sich Taju solche Mühe gibt . Menno! *grins* Es geht nicht um den Blick auf den eigenen Glauben. Das denkst du, dass das Teil der Wissenschaft ist, aber das ist nicht so. Und da mögen sich Talmudschulen und Islamschulen (ist einfach ne These, keine Ahnung obs stimmt) wirklich unterscheiden, denn an der Universität ist das nicht der Hauptgegenstand. An privaten christlichen Bibelschulen schon. Deshalb gibt es ja Universitäten, wo man die Möglichkeit hat, sich kritisch auseinanderzusetzen.
…ich kenne selbst sehr sehr viel Theologen, die schlicht und einfach Atheisten sind, oder eine sehr liberale Einstellung haben und sich über Dinge wie ein volles oder leeres Grab einfach nicht weiter aufregen (ich reg mich da auch nicht drüber auf, es ist mir ehrlich gesagt sogar wurscht, obs leer war oder nicht.)
hmm grade das sehe ich anders. ein glaubenssatz kann gar nicht
im widerspruch zu wissenschaftlichen erkenntnissen stehen,
weil der wahrheitsbegriff ein anderer ist. glaubenssaetze
koennen nur gueltig oder ungueltig sein, aber nicht wahr und
falsch. ein weites feld…
also nochmal zum mitschreiben für die sturen Ösis unter uns: Wissenschaftliche Theologie ist ein sehr sehr weites Feld, ich kenne kein Studium, dass so viele Wissensbausteine liefert und in dem man sich so vielfältige Fähigkeiten aneignen kann. Historisch betrachtet ist es mit der Juristerei das älteste Universitätsfach überhaupt und ohne die Theologie würde es heute auch keine Universitäten geben. Die Wissenschaftliche Theologie besteht aus sehr vielen verschiedenen Facetten, dabei ist der kleinste Teil der, der sich mit Glaubenssätzen beschäftigt.Und dann auch eher philosophisch diskursiv. In der Form, wie du es meinst, sowieso überhaupt nicht.
So isch*s, barbara